Neue Daten zur Lage der österreichischen Volksschulen sorgen für Alarmstimmung: Fast die Hälfte der Kinder mit Deutsch als Erstsprache erreicht den Bildungsstandard im Schreiben nicht vollständig – bei Kindern ohne Deutsch als Erstsprache sind es sogar 79 Prozent.

Das zeigen aktuelle Ergebnisse der nationalen Kompetenzmessung des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQS). Besonders problematisch: Das Schreiben ist der größte Schwachpunkt der Volksschule.

Nur 43 % erreichen den Schreib-Standard

Die Untersuchung zeigt deutliche Defizite bei zentralen Grundkompetenzen.

Schreiben: nur 43 % erreichen den Bildungsstandard

Lesen: etwa 59 %

Zuhören: rund 65 %

Mathematik: etwa 84 %

Damit wird klar: Während Mathematik vergleichsweise stabil bleibt, ist Deutsch – insbesondere das Schreiben – das größte Problemfach.

Schreiben wird zum Problemfach: Nur 43 % der Volksschüler erreichen den Standard – bei Kindern ohne Deutsch als Erstsprache scheitern sogar 79 %.IQS/Agenda Austria

Massive Unterschiede nach Erstsprache

Besonders groß ist der Abstand zwischen Schülern mit und ohne Deutsch als Erstsprache. Bei Kindern mit Deutsch als Erstsprache verfehlen fast 50 % den Schreib-Standard zumindest teilweise. Bei Kindern ohne Deutsch als Erstsprache sind es laut Auswertung 79 %.

Damit wird ein strukturelles Problem sichtbar: Sprache entscheidet zunehmend über Bildungserfolg.

Schulen in schwierigen Milieus besonders betroffen

Die IQS-Daten zeigen außerdem einen starken Zusammenhang zwischen Leistung und sozialem Hintergrund der Schulen. Schüler an Standorten mit sozial schwächeren Familien erreichen die Bildungsstandards deutlich seltener. Zwischen Schulen mit privilegierten und benachteiligten Milieus entstehen dadurch immer größere Leistungsunterschiede.

Agenda Austria fordert frühe Sprachtests

Der Wiener Thinktank Agenda Austria sieht in den Zahlen ein Warnsignal für das Bildungssystem. „Sinnerfassendes Lesen und das Verfassen von deutschen Texten ist und bleibt entscheidend“, unterstreicht er. „Deshalb sollten Sprachdefizite schon vor Schuleintritt erhoben und dementsprechend angegangen werden – unabhängig von der Erstsprache.“

Mit anderen Worten: Die Probleme beginnen nicht erst in der Schule, sondern oft bereits davor.

Frühförderung wird zur Systemfrage

Tatsächlich zeigt auch das Bildungsministerium, wie groß das Problem mittlerweile ist: Mehr als 23 Prozent der Kinder brauchen bereits in der ersten Klasse Volksschule intensive Deutschförderung.

Für Experten ist klar: Ohne frühere Sprachtests und gezielte Förderung im Kindergarten drohen sich die Defizite weiter zu vergrößern. Denn wer nicht gut lesen und schreiben kann, hat im Bildungssystem kaum eine Chance.