Während der laufenden Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland ist die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht auf Samstag einmal mehr von einer Welle russischer Luftangriffe getroffen worden. Die ukrainische Luftwaffe und das Nachrichtenportal The Kyiv Independent meldeten nach Mitternacht, die Millionenstadt stehe schwer unter Beschuss. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb später von mindestens einem Todesopfer und vier Verletzten.

In Kiew sind zudem fast 6.000 Gebäude von der Wärmeversorgung abgeschnitten. Dies teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Die Außentemperatur in Kiew lag am Samstagfrüh bei minus zwölf Grad.

Selenskyj will Flugabwehr stärken

Die Luftangriffe in der Nacht auf Samstag gehörten laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu den schwersten seit Wochen. “In der Nacht hat Russland unsere Regionen massiv attackiert – sie haben 370 Kampfdrohnen und 21 Raketen unterschiedlicher Typen abgefeuert”, schrieb er auf Telegram. Als Reaktion bat er um schnelle westliche Hilfe bei der Stärkung der Flugabwehr.

Nach Angaben Selenskyjs wurden neben Kiew und dem Umland der Hauptstadt auch die nahe der Grenze zu Russland gelegenen Regionen Charkiw, Sumy und Tschernihiw stark beschossen. Es habe neben einem Toten und Dutzenden Verletzten erneut schwere Schäden an der Infrastruktur zur Energieversorgung gegeben. “Jeder dieser russischen Schläge gegen die Energieversorgung zeigt, dass wir mit den Flugabwehr-Lieferungen nicht zögern können”. Er zähle auf eine Reaktion und die Hilfe der westlichen Partner, schrieb Selenskyj.

Angriffe auch in Charkiw und Tschernihiw

Nach Angaben des Bürgermeisters der ostukrainischen Stadt Charkiw, Ihor Terechow, wurden dort bei schweren nächtlichen Luftangriffen mindestens 19 Menschen verletzt. Mehrere Krankenhäuser und Wohngebäude seien beschädigt, manche Opfer unter Gebäudetrümmern eingeschlossen worden, schrieb Terechow bei Telegram. Nach Angaben von Gouverneur Oleh Synjehubob sind unter den Verletzten eine Schwangere und ein Kind.

Am Samstagfrüh meldeten zudem die Behörden der nordukrainischen Stadt Tschernihiw einen schweren Angriff auf Energieanlagen. Fast in der gesamten Stadt sei der Strom ausgefallen, teilte der Pressedienst des Stadtparlaments mit. Die Umstellung auf Reservekapazitäten werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Russland beschießt systematisch Energieobjekte in der Ukraine. Für die Ukrainer ist in diesem strengen Winter damit die bisher schwerste humanitäre Krise seit Kriegsbeginn ausgebrochen.

Vertreter der Ukraine und Russlands verhandeln seit Freitag in Abu Dhabi unter Vermittlung der USA über ein Ende des russischen Angriffskriegs. Die Gespräche in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sind die ersten direkten Verhandlungen der beiden Kriegsparteien seit Monaten. Sie sollen am Samstag fortgesetzt werden. Konkrete Ergebnisse wurden bisher nicht bekannt.