Serbischer Post-Zusteller vor Gericht: Zigaretten-Pakete um 35.000 Euro weg
Monatelang verschwanden in Niederösterreich Zigarettenpakete spurlos aus Postfuhren. Nun muss sich ein serbischer Post-Zusteller vor Gericht verantworten, da er beschuldigt wird, Tabakwaren im großen Stil abgezweigt zu haben. Er selbst bestreitet fast alles.
Ein Post-Zusteller steht im Verdacht, über Monate hinweg Pakete mit Tabakwaren entwendet zu haben.IMAGO/Manuel Stefan
Nicht zugestellte Pakete, verärgerte Empfänger und interne Alarmzeichen: Seit Sommer 2024 häuften sich in Böheimkirchen und Melk auffällige Fälle rund um verschwundene Tabakwaren. Der Verdacht fiel bald auf einen bestimmten, aus Serbien stammenden, Post-Mitarbeiter. Nun landete der Fall vor dem Landesgericht St. Pölten – mit schwerwiegenden Vorwürfen, belastenden Fotos und einem Angeklagten, der die Verantwortung weitgehend von sich weist.
Interne Ermittlungen bei der Post
Laut Anklage soll ein 45-jähriger serbischer Staatsbürger, der als Zusteller tätig war, seit Sommer 2024 wiederholt Pakete mit Tabakwaren nicht ausgeliefert haben. Betroffen waren vor allem Sendungen für die Regionen Böheimkirchen und Melk. Nachdem sich die Unregelmäßigkeiten häuften, leitete die Post interne Ermittlungen ein. Der Fokus richtete sich rasch auf den Mitarbeiter, dem die betreffenden Pakete anvertraut worden waren.
Auf frischer Tat ertappt
Im September 2025 folgte schließlich eine Observation. Dabei wurde der Mann laut Ermittlungen auf frischer Tat ertappt: Er soll gerade dabei gewesen sein, zwei Pakete mit Zigaretten zu entwenden. Die Anklage geht davon aus, dass er zwischen Sommer 2024 und September 2025 Tabakwaren im Wert von mehr als 35.000 Euro veruntreut hat. Die mutmaßlichen Taten wurden von der Post mit einer Vielzahl von Lichtbildern dokumentiert.
„Sehr originelle Verantwortung“
Trotz dieser Beweislage bekannte sich der Angeklagte vor Gericht nicht schuldig. Lediglich den Diebstahl der zwei Pakete, bei dem er ertappt wurde, gab er zu. Auf die vorgelegten Fotos angesprochen, sagte er: „Das bin ich nicht.“ Eine alternative Erklärung für die verschwundenen Sendungen konnte er allerdings nicht liefern. Für Richter Gregor Adamovic war diese Darstellung eine „sehr originelle Form der Verantwortungszuweisung“.
Altes Verfahren, neuer Prozess
Brisantes Detail: Ein als Zeuge geladener Mitarbeiter des Erhebungsdienstes der Post berichtete, dass es bereits im Jahr 2018 Probleme mit dem Angeklagten gegeben habe. Damals habe er bereits ein Paket gestohlen. Das interne Ermittlungsverfahren sei jedoch eingestellt worden. Laut dem Zeugen hätte der Mann nach diesem Vorfall nicht mehr für die Post arbeiten dürfen. Der aktuelle Prozess wurde wegen fehlender Informationen in den Ermittlungsakten vertagt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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