Sexistische Getränkenamen? Après-Ski-Klassiker soll umbenannt werden
Jetzt geht es dem nächsten Après-Ski-Klassiker an den Kragen: Alte Getränkenamen sollen verschwinden, weil sie nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen. Die Frage ist nur: Muss man wirklich alles umbenennen?
Der moderne Überdruss an Sprache hat nun auch die Après-Ski-Klassiker erreicht. „Heiße Oma“, „Heiße Witwe“ und „Haxenspreizer“ – Namen, die jahrzehntelang fest zur österreichischen Hütten- und Après-Ski-Kultur gehörten, sollen nun einem „überarbeiteten“ Zeitgeist weichen. Experten kritisieren die Begriffe als sexistisch und anstößig, was so manchem Gast in der Skihütte jetzt wohl die Stimmung verderben dürfte. Doch sind diese traditionell gewachsenen Begriffe wirklich das Problem?
Die Diskussion hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Doch ist es wirklich notwendig, ausgerechnet Getränke mit Namen umzubenennen, die in der Vergangenheit eher für Gelassenheit, Spaß und einen gewissen derben Humor standen? Einmal mehr wird die Gesellschaft in eine Richtung getrieben, in der sich nichts dem wachsenden Druck politischer Korrektheit entziehen kann – selbst nicht in den rustikalen Hütten des Alpenraums.
Selina Oberortner von der Antidiskriminierungsstelle Salzburg erklärte gegenüber ORF, dass die Sprache der Gesellschaft einen Spiegel vorhalte und man daher auch auf diese traditionellen Getränkenamen verzichten sollte. Ihre Argumentation läuft darauf hinaus, dass Wörter, die früher vielleicht als harmlos und traditionell galten, heute als diskriminierend betrachtet werden. Die „Heiße Oma“ oder der „Haxenspreizer“ hätten „implizite sexistische Bedeutungen“. Doch ist es nicht ein wenig übertrieben, gleich den ganzen Sprachgebrauch zu hinterfragen? Schließlich gehören diese Namen nicht nur zur Kultur des Après-Ski, sondern sind auch für viele Gäste mit Erinnerungen an unbeschwerte Abende und gesellige Runden verbunden.
Muss alles immer angepasst werden?
Es stellt sich die Frage: Muss jeder Aspekt unseres Lebens ständig neu interpretiert und angepasst werden, nur weil der Zeitgeist eine neue Wendung nimmt? Was wäre das nächste? Die Umbenennung von traditionellen Wintergerichten, weil sie möglicherweise nicht mehr den politischen Idealen entsprechen? Sollte man aus der Geschichte nun jedes Detail ausradieren, nur um in einem übertriebenen Versuch der Korrektheit einen „perfekten“ sprachlichen Raum zu schaffen?
Albert Ebner von der Wirtschaftskammer Salzburg merkte an, dass die Umbenennung von Getränkenamen nicht zwingend gesetzlich geregelt werden kann. In gewisser Weise hat er recht: Es geht hier um Geschmack und Eigenverantwortung. Die Betreiber sind nicht verpflichtet, Namen zu ändern, nur weil eine Gruppe von „Experten“ dies für notwendig hält. Und was ist mit der breiten Mehrheit der Gäste, die keine derartigen Namen als problematisch ansehen? Sollten die Getränke nun umbenannt werden, nur weil eine kleine, politisch aktive Minderheit dies fordert? Oder gibt es einen besseren Weg, mit Traditionen und der modernen Sensibilität gleichzeitig umzugehen?
Ablenkung von echten Problemen
In Wahrheit geht es weniger um die Behebung eines gesellschaftlichen Missstands und mehr um die Schaffung von Problemen, wo keine existieren. Während der Diskurs über die Umbenennung von Getränkenamen die politische Diskussion dominiert, bleibt die Frage, ob das nicht eine Ablenkung von tatsächlich wichtigen gesellschaftlichen Themen ist. Muss die Gesellschaft wirklich jedes Detail aus den letzten Jahrzehnten in Frage stellen, nur weil es nicht dem heutigen „Weltbild“ entspricht?
Am Ende könnte die Veränderung der Getränkenamen eher als weiterer Schritt in eine übermäßige Überregulierung und politische Korrektheit gesehen werden, die uns mit ständig neuen, teils unbegründeten Diskussionen überfordert. Ob die Zeit tatsächlich die „Wunden heilen wird“, wie Ebner es ausdrückt, bleibt abzuwarten – aber sicher ist, dass diese Diskussion die gute alte Hüttenatmosphäre und den Humor der Après-Ski-Kultur nicht mehr zurückbringen wird.
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