Was als ausgelassene Sexparty in einem Szene-Club der homosexuellen Community im vierten Wiener Bezirk begann, endete in einem Todesdrama mit schwerwiegenden Vorwürfen. Ein Barkeeper soll sich an einem bewusstlosen Mann vergangen haben, anstatt ihm zu helfen, nachdem dieser nach massivem Drogenkonsum zusammengebrochen war. Überwachungsvideos, Aussagen und der zeitliche Ablauf belasten die Beschuldigten schwer – nun liegt die Anklage vor.

Drogen, Ohnmacht – und niemand hilft

Der Club in Wien-Wieden wirbt damit, ein sicherer Ort für Schwule zu sein. Doch in den frühen Morgenstunden des 4. Oktobers eskalierte eine private Feier völlig. Nach seinem offiziellen Dienstende um vier Uhr morgens soll der Barkeeper des Lokals zwei Bekannte eingeladen und mit ihnen weitergefeiert haben.

Stundenlang wurde konsumiert: Alkohol, Kokain und vor allem „Poppers“, ein in der homosexuellen Szene verbreitetes Suchtmittel. Die Substanz wirkt stark gefäßerweiternd, der Blutdruck kann rasch absinken, was zu Ohnmacht führen kann. Genau das geschah dem späteren Opfer, einem Mann Mitte 40, der regungslos zusammenbrach.

Übergriff statt Hilfeleistung

Was danach passiert sein soll, ist Gegenstand der Anklage und durch Überwachungskameras dokumentiert. Anstatt sofort Hilfe zu holen, sollen zwei der Männer weitergefeiert haben. Einer von ihnen, ein 53-Jähriger, verließ den Club gegen 7:15 Uhr morgens.

Der Barkeeper hingegen blieb. Laut Staatsanwaltschaft Wien brachte er dem Opfer zwar Wasser und einen zuvor zubereiteten Kaffee und „blickte immer wieder zu ihm“. Doch einen Notruf setzte er nicht ab. Stattdessen soll er sich an dem „vollkommen hilflosen, jedoch noch atmenden“ Mann vergangen haben.

Fast eine Stunde nach dem Übergriff alarmierte der Erstangeklagte schließlich die Rettung, allerdings erst, nachdem er noch einen weiteren Bekannten eingeladen hatte, mit dem er ebenfalls Sex gehabt haben soll. Für das Opfer kam jede Hilfe zu spät.