Sexueller Missbrauch: 44-Jähriger in Wien festgenommen
Ermittler des Wiener Landeskriminalamtes haben einen schweren Fall von sexuellem Missbrauch aufgedeckt: Ein 44-jähriger Mann soll laut Polizeisprecherin Julia Schick mindestens drei wehrlose bzw. psychisch beeinträchtigte Menschen im Alter von zwölf bis 25 Jahren, die in betreuten Wohneinrichtungen leben, sexuell missbraucht haben.
Zwei der Betroffenen sind weiblich, der dritte ist männlich. Der Verdächtige wurde am Montagabend festgenommen.
Aus Gründen des Opferschutzes hielt sich Schick in diesem Fall sehr bedeckt. Die Ermittlungen hat die Außenstelle Nord des LKA, Ermittlungsbereich Sexualdelikte, Gruppe Maschler, übernommen. Die Festnahme des 44-Jährigen erfolgte auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in der Donaustadt. An seiner Wohnadresse wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt, bei der elektronische Datenträger sowie einschlägiges Bild- und Videomaterial sichergestellt wurden.
Verdächtiger geständig, möglicherweise weitere Opfer
Wie die Polizei betonte, hat der Festgenommene die ihm zur Last gelegten Vorwürfe bereits gestanden. Er wurde in eine Justizanstalt überstellt. Bei ihm handelt es sich demnach um einen externen Mitarbeiter des betroffenen sozialen Trägers. Die Übergriffe soll er im Rahmen von therapeutischen Behandlungen verübt haben.
Laut Schick sollen die Missbrauchshandlungen über einen längeren Zeitraum begangen worden sein. Die Ermittler der Gruppe Maschler handelten sehr schnell, nachdem sie Kenntnis von den Taten erhalten hatten. Innerhalb weniger Tage war die Untersuchung so weit gediehen, dass eine Festnahme erfolgen konnte.
Die Polizei schließt nicht aus, dass es weitere Opfer geben könnte. Hinweise werden auch anonym unter der Telefonnummer 01-31310-67800 DW erbeten. Außerdem wurde um Verständnis dafür gebeten, dass „aufgrund der hochsensiblen, laufenden Ermittlungen und aus Gründen des Opferschutzes” keine weiteren Auskünfte möglich sind.
Vertragseinrichtung der Stadt Wien betroffen
MA-11-Sprecherin Ingrid Pöschmann bestätigte, dass es sich bei zumindest einer der betroffenen Organisationen um eine Vertragseinrichtung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe handelt. Die Einrichtung kümmert sich demnach um Kinder mit Mehrfachbehinderungen, die auch nonverbal sind. „Das heißt, die Kinder können ihre Bedürfnisse – was sie wollen und was sie nicht wollen – nicht über herkömmliche Kommunikation ausdrücken. Man muss die Kinder lesen können”, erläuterte Pöschmann. Die Einrichtung sei bewilligt und es gebe eine jährliche Aufsicht, im Anlassfall auch öfter. Nachdem man am Dienstag Kenntnis von den Vorwürfen gegen den 44-Jährigen erlangte, wurde ein Aufsichtsverfahren eingeleitet.
Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut der MA-11-Sprecherin um einen externen, selbstständigen Physiotherapeuten, der in die Einrichtung kam, um dort seine Patienten in einem Therapieraum zu behandeln. Mutmaßlich dürften die Tathandlungen auch dort stattgefunden haben, nicht in den Wohnbereichen der Betroffenen. Weitere Überprüfungen dazu seien Teil des Aufsichtsverfahrens. „Wir schauen uns genau an, an welchen Standorten der Therapeut im Einsatz war”, erläuterte Pöschmann.
Grenzüberschreitungen bei Physiotherapie schwieriger erkennbar
In diesem Zusammenhang machte sie auch darauf aufmerksam, dass es besonders im Umgang mit Kindern, die sich nicht auf herkömmliche Weise artikulieren können, noch schwieriger ist, solche Fälle zu detektieren – insbesondere im Bereich der Physiotherapie. „Physiotherapie ist sehr körperlich. Da arbeiten die Therapeuten mit den Muskeln der Patienten, bewegen und dehnen sie.“ Für die Patienten ist es somit noch schwieriger, Grenzüberschreitungen festzustellen und zu kommunizieren, wenn sie nicht sprechen können.
Thema des Aufsichtsverfahrens wird auch sein, ob das Gewaltschutzkonzept und das sexualpädagogische Konzept der betreffenden Einrichtung ausreichend sind. Beides müssen solche Einrichtungen vorweisen. „Allerdings sage ich als Pädagogin eines: Wir können nicht in die Menschen hineinschauen. Die Täter (in diesem Bereich, Anm.) gehen sehr vorsätzlich und gut geplant vor“, betonte Pöschmann. Es sei sehr schwierig, dies in der Alltagsarbeit aufgrund von Nuancen – beispielsweise minimale Verhaltensänderungen der Kinder – zu entdecken, besonders wenn diese nicht verbal kommunizieren können.
Von der Einrichtung wurden darüber hinaus Maßnahmen für die Kinder, aber auch für die Mitarbeitenden gefordert, um sie bei der Verarbeitung der Ereignisse zu unterstützen. Denn auch für die Mitarbeitenden „macht es etwas“, wenn sie von solchen Vorwürfen erfahren.
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