Sind WhatsApp-Chats wirklich privat? Klage befleckt Metas Ansehen
Sind Chats auf WhatsApp tatsächlich so privat, wie es die Meta-Tochter seit Jahren behauptet? Eine Sammelklage in den USA rüttelt nun am Fundament dieses Vertrauens – und bringt den Mutterkonzern in Erklärungsnot.
Vor einem US-Bundesgericht haben Kläger aus Australien, Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika eine Sammelklage eingereicht, die es in sich hat. Der Vorwurf: Trotz des Versprechens einer lückenlosen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung soll WhatsApp unter bestimmten Umständen Zugriff auf Inhalte privater Chats haben. Darüber berichtete zuerst Bloomberg, das Einblick in die Gerichtsunterlagen erhielt.
Im Kern geht es um interne Werkzeuge, sogenannte „Task“-Widgets. Diese sollen es Mitarbeitern erlauben, Nachrichteninhalte einzusehen, etwa im Rahmen von Moderation, der Bearbeitung von Beschwerden oder operativen Abläufen. Genau hier setzt die Kritik an: Wenn solche Zugriffe möglich sind, sei das Sicherheitsversprechen gegenüber den Nutzern irreführend.
Der Vorwurf der Irreführung
Besonders brisant ist der Umstand, dass WhatsApp beim Öffnen eines Chats explizit darauf hinweist, nur die beteiligten Personen könnten Nachrichten lesen oder anhören. Die Kläger halten diese Aussage für falsch. Ihrer Darstellung zufolge sei Meta technisch in der Lage, große Mengen an Nachrichten zu speichern, auszuwerten und – zumindest situativ – darauf zuzugreifen. Damit wird das beworbene Schutzversprechen ausgehöhlt.
Meta weist Vorwürfe zurück
Der Konzern weist die Anschuldigungen mit Nachdruck zurück. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Klage als „leichtfertig“ und sprach von einem „absurden“ Vorwurf. Meta kündigte zudem an, rechtliche Schritte gegen die Anwälte der Kläger zu prüfen und mögliche Sanktionen zu verfolgen.
Wörtlich heißt es, es sei „kategorisch falsch“, dass WhatsApp, seine Mitarbeiter oder externe Auftragnehmer Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation hätten. Ein Zugriff sei technisch nicht möglich.
Alte Vorwürfe, neuer Kontext
Bereits im Jahr 2024 war bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Whistleblower-Beschwerde eingegangen, die ähnliche Fragen aufwarf – bislang ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Vertrauensanker
WhatsApp stützt sein Geschäftsmodell seit Jahren auf das Versprechen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Dabei werden Nachrichten so verschlüsselt, dass sie selbst für den Betreiber nicht lesbar sein sollen. Nur der Empfänger mit dem passenden Schlüssel kann die Inhalte entschlüsseln. Genau dieses Prinzip gilt als Goldstandard digitaler Kommunikation und als entscheidender Vertrauensfaktor für die Milliarden Nutzer.
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