Im vergangenen Jahr erreichte die Zuverlässigkeit im deutschen Fernverkehr einen neuen Tiefpunkt. Lediglich gut sechs von zehn ICE- und IC-Zügen (60,1 %) kamen planmäßig am Ziel an. Damit verschlechterte sich die Bilanz erneut gegenüber dem Vorjahr, als die Pünktlichkeitsquote noch bei 62,5 Prozent lag – und liegt weit entfernt von den Werten vergangener Jahre, als Verspätungen noch die Ausnahme waren. Als verspätet gilt ein Zug erst nach sechs Minuten Abweichung vom Fahrplan.

Die Ursachen sind bekannt, aber werden nur langsam behoben: ein über Jahre vernachlässigtes Schienennetz, zahllose Baustellen und stark ausgelastete Knotenpunkte. Züge stauen sich. Die strukturellen Defizite der Deutsche Bahn schlagen sich unmittelbar im Alltag der Reisenden nieder.

Infrastruktur als Dauerbaustelle

Gleichzeitig verspricht das Management eine umfassende Erneuerung: 2026 solle den Wendepunkt markieren, mit groß angelegten Umbauten und Investitionen. Eine schnelle Verbesserung sei jedoch nicht zu erwarten – die Probleme seien über Jahre gewachsen.

Für Fahrgäste bedeutet das vorerst: mehr Geduld, mehr Umplanung, mehr Unsicherheit. Der Fernverkehr bleibt das Sorgenkind, während Baustellen den Betrieb weiter belasten.

ÖBB stehen besser da: Ein Blick nach Österreich

Deutlich stabiler präsentiert sich im Vergleich dazu die Situation in Österreich. Zwar kämpfen auch die heimischen Staatsbahnen mit Verzögerungen, doch das Ausmaß fällt wesentlich geringer aus. Die Zuverlässigkeit im Fernverkehr, vor allem aber im Nahverkehr kann sich sehen lassen. Im Wiener Personenverkehr lag die Pünktlichkeitsquote zuletzt bei knapp 93 %. Das bedeutet: Die große Mehrheit der Züge erreicht ihr Ziel mit maximal fünf Minuten Abweichung.