Sonnenflaute im Süden: Schlechtes Wetter drückt auf die Stimmung
Seit Wochen liegt ein Schleier über Kärnten und Teilen der Steiermark. Erst am Dienstag zeigte sich über Klagenfurt erstmals wieder ein Stück blauer Himmel – ein seltenes Bild in diesem Winter.
Von Hermagor über Spittal bis ins Lavanttal haben sich in den letzten zwei Monaten nur sehr wenige Sonnenstunden abgezeichnet. Für viele Menschen hat das spürbare psychische Folgen.
Deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt
Seit Dezember bereits bleibt die Zahl der Sonnenstunden in vielen Regionen Kärntens deutlich hinter dem Durchschnitt zurück. Laut Meteorologe Christian Stefan von GeoSphere Austria wurden in Klagenfurt bislang lediglich 92 Stunden Sonnenschein gezählt. In Feistritz ob Bleiburg liegt der Wert sogar unter 80 Stunden. Besonders markant fiel der Dezember aus: In Klagenfurt wurden nur 15 Sonnenstunden registriert – ein außergewöhnlich niedriger Wert im langjährigen Vergleich.
Die aktuelle Wetterlage ist geprägt von langanhaltenden Hochdruckphasen mit schwachem Wind. Dabei bildet sich eine stabile Luftschichtung: In höheren Lagen scheint häufig die Sonne, während sich in den Tälern kalte, feuchte Luft staut. Nebel und Hochnebel halten sich hartnäckig und verhindern, dass Sonnenlicht den Boden erreicht.
Biochemie der Winterstimmung
Die Auswirkungen dieser Witterung sind nicht bloß subjektives Empfinden. Weniger Tageslicht bedeutet auch weniger Produktion des Neurotransmitters Serotonin – jenes Botenstoffs, der maßgeblich zur Stabilisierung der Stimmung beiträgt. Psychiater Herwig Oberlerchner beschreibt typische Begleiterscheinungen: gedrückte Stimmung, erhöhte Tagesmüdigkeit, verminderter Antrieb und ein gesteigertes Schlafbedürfnis. Auch Heißhunger auf kalorienreiche Speisen sei in solchen Phasen keine Seltenheit.
Gesundheitspsychologin Lisa Guttenberger verweist darauf, dass sich bei anhaltendem Lichtmangel die „Energiespeicher“ des Körpers zunehmend entleeren. Je länger trübe Wetterperioden andauern, desto stärker werde das Gefühl von Erschöpfung oder innerer Unruhe. Sonnenlicht wirke nicht nur stimmungsaufhellend, sondern unterstütze auch Konzentration und Aktivität.
Stimmungstief: Auch die Südsteiermark betroffen
Ähnliche Entwicklungen zeigen sich südlich der Landesgrenze in der Steiermark. In Graz wären von Anfang Dezember bis Anfang Februar rund 180 Sonnenstunden üblich. Tatsächlich wurden bislang aber (2025/2026) nur 157 Stunden gemessen. Die Abweichung beträgt je nach Region zwischen fünf und 35 Prozent. Auch hier dominieren stabile Hochdrucklagen mit zäher Nebelbildung.
Die meteorologische Konstellation wirkt wie eine natürliche Barriere: Während darüber milde Luft herrscht, bleibt darunter eine kalte, feuchte Schicht gefangen.
Kein rasches Ende in Sicht
Meteorologen rechnen vorerst nicht mit einem grundlegenden Wetterumschwung. Solange die stabilen Hochdrucklagen anhalten, wird sich an der trüben Großwetterlage wenig ändern. Für viele Menschen bedeutet das: Geduld bewahren – und jede Sonnenminute nutzen, sobald sie sich zeigt.
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