Nach Jahren roter Zahlen ist es ein klarer Schnitt. Die Spar AG trennt sich von ihrer defizitären Sporthandelskette Hervis und übergibt sie neuen Eigentümern, die ambitionierte Pläne haben. Während sich Spar wieder auf sein Kerngeschäft konzentriert, soll Hervis in einem Markt, der sich schneller verändert als je zuvor, neu erfunden werden.

Millionenverluste zwingen Spar zum Verkauf

Der Verkauf kommt nicht überraschend. Hervis hatte sich in den vergangenen Jahren zu einer Belastung für den Konzern entwickelt. Allein 2023 schrieb die Sporthandelskette inklusive Abschreibungen einen Verlust von 64 Millionen Euro, 2024 kamen weitere 43 Millionen Euro hinzu. Insgesamt summierten sich die Verluste somit auf über 100 Millionen Euro. Parallel dazu schrumpfte auch der Umsatz – von 261 auf 253 Millionen Euro.

Spar-Chef Hans Reisch hatte bereits für Ende 2025 „weitere Entscheidungen” zur Zukunft von Hervis angekündigt. Mit dem Verkauf zieht der Lebensmittelhändler nun endgültig die Reißleine.

Neue Eigentümer, neue Ausrichtung

Die Übernahme von Hervis erfolgt durch Sven Voth, Gründer der Streetwear-Kette Snipes, und Udo Schloemer, Gründer von Factory Berlin. Die Vertragsunterzeichnung und der Abschluss des Deals fanden am 23. Januar 2026 statt, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit dem Verkauf wechseln alle 134 Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern sowie alle Mitarbeitenden den Eigentümer. Die neuen Eigentümer wollen die Marke erhalten und Hervis als Sporthändler neu positionieren.

Spar begründet diesen Schritt mit der Konzentration auf das Kerngeschäft und einem stark veränderten Marktumfeld. Während klassische Sportarten an Bedeutung verlieren, gewinnen neue Sport- und Bewegungsformen sowie Trends wie Longevity an Zuspruch.

„Hervis wieder erfolgreich machen“

Die neuen Eigentümer zeigen sich ambitioniert. „Wir werden Hervis zunächst bis ins Jahr 2026 führen und das Geschäftsmodell im Sporthandel neu positionieren“, erklärt Sven Voth. Ziel sei es, „das Angebot an die geänderten Kundenbedürfnisse der heutigen Zeit anzupassen und Hervis damit wieder erfolgreich zu machen.“

In den kommenden Monaten wollen Voth und Schloemer das Geschäftsmodell daher umfassend evaluieren. Im Fokus stehen dabei die Zukunft des Sporthandels, Digitalisierungspotenziale sowie die Relevanz künftiger Sortimente und Sportarten. Die Ergebnisse sollen laut den neuen Eigentümern transparent kommuniziert werden. Für Kunden ändert sich vorerst nichts: Gutscheine bleiben gültig und Online-Bestellungen sowie Servicefälle werden weiterhin abgewickelt.