Sterbender aus NÖ abgewiesen? Hospiz-Fall entfacht Spitalsstreit neu
Ein todkranker Familienvater aus Niederösterreich wartete vergeblich auf einen Hospizplatz in Wien. Als sich sein Zustand dramatisch verschlechterte, soll er abgewiesen worden sein, weil er aus Niederösterreich kam. Dieser Fall wirft ein grelles Licht auf den brisanten Streit um Gastpatienten zwischen Wien und Niederösterreich.
Das CS Hospiz am Rennweg in Wien: Ein todkranker Patient aus Niederösterreich wartete hier vergeblich auf einen Platz.GETTYIMAGES/Marco VDM
Der seit Jahren andauernde Streit um niederösterreichische Gastpatienten in Wiener Spitälern bekommt jetzt ein menschliches, tragisches Gesicht. Ein 42-jähriger, todkranker Mann aus Niederösterreich war monatelang in einem Wiener Hospiz angemeldet. Doch als sich sein Leben dem Ende zuneigte, kam die Absage. Der Vorwurf: Weil er aus Niederösterreich kam, wurde er nicht aufgenommen, berichtete die Heute.
Todkrank und angemeldet – doch kein Platz am Ende
Im Mai 2024 erhielt Paul R. (42) aus Niederösterreich die niederschmetternde Diagnose Gehirntumor. Seine Frau Caroline R. wusste schnell, dass er palliative Betreuung benötigen würde (alle Namen geändert). Im Herbst 2024 meldete sie ihn im Caritas Socialis (CS) Hospiz am Rennweg in Wien-Landstraße an. Das Hospiz ist Teil des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Wien und verfügt über zwölf Palliativbetten.
„Ich habe Paul dann im Herbst 2024 im CS Hospiz am Rennweg angemeldet“, erzählt Caroline R. Sie habe immer wieder nachgefragt, ob die Anmeldung aufrecht sei. Eine Absage habe sie nie erhalten: „Ich habe nie irgendeine Information erhalten, dass er nicht genommen werden kann.“
„Sie nehmen keine Patienten mehr aus Niederösterreich“
Mitte Dezember 2025 verschlechterte sich der Zustand des 42-Jährigen dramatisch. Er wurde im Landesklinikum Hainburg aufgenommen. Dort ging man davon aus, dass der Wechsel ins Wiener Hospiz vorbereitet sei. Doch dann kam die überraschende Antwort.
„Nachdem ich dem dortigen Palliativteam mitgeteilt habe, dass Paul einen Platz im Hospiz am Rennweg hat, haben sie zwecks der Überstellung angerufen“, berichtet seine Frau. Die Rückmeldung schockierte sie: „Es wurde mitgeteilt, dass sie im Hospiz seit einer Woche keine Patienten mehr aus Niederösterreich aufnehmen dürfen.“ Für Caroline R. war dies ein Moment völliger Hilflosigkeit: „Er war in einem Akutspital, benötigte aber eine Pallativbetreuung.“
Letzte Tage im Hospiz Mistelbach
Das Palliativteam in Hainburg suchte schließlich nach einer Alternative und fand einen Platz im Hospiz Mistelbach. Am 30. Dezember wurde Paul R. dorthin überstellt. Am 11. Jänner starb er.
Trotz ihres Schmerzes findet seine Frau dankende Worte: „Das Team dort war sehr einfühlsam, im Nachhinein war es die beste Entscheidung.“ Jetzt müsse sie viel Organisatorisches erledigen. „Da muss man durch, es lenkt aber auch ab“, sagt sie. Zur Trauer kommt jedoch Ärger. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sie mir vorher mitgeteilt hätten, dass es für meinen Mann keinen Platz gibt“, sagt sie. „Gerade in so einer Situation erhofft man sich Unterstützung. Ein rechtzeitiger Anruf hätte die Situation für alle ein bisschen erleichtert.“
Hospiz in Wien spricht von vollen Betten
Die Heute hat im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nachgefragt. Dort stellte man Folgendes klar: „Die Gastpatienten-Regelung betrifft planbare Behandlungen und Operationen in den Wiener Krankenhäusern. Akutfälle, aber auch palliative Behandlungen sind davon nicht betroffen.“ Man bedauere, „dass wir jetzt erst von diesem Fall erfahren haben“.
Auch Caritas Socialis nahm Stellung. Eine Sprecherin erklärte: „Zum Zeitpunkt des Anrufs waren alle Bettenkapazitäten ausgeschöpft und eine sofortige Aufnahme nicht möglich.“ Das Ziel der Wiener Palliativstation sei es, „schwerpunktmäßig die Betreuung der Wienerinnen und Wiener sicherzustellen“. Ob die Aussage gefallen sei, dass Paul R. wegen seines Wohnortes nicht aufgenommen werden konnte, könne „nicht mehr eruiert werden“.
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