Die Forscher verglichen vier Kommunen im Kreis Paderborn: Borchen und Lichtenau mit hoher Windraddichte standen Hövelhof und Delbrück als Vergleichsgruppe gegenüber. Grundlage waren Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung aus den Jahren 2021 bis 2024 – insgesamt 70.000 Patienten. Alter, Geschlecht, Klima und sozioökonomische Faktoren wurden bei der Auswahl bewusst angeglichen. Das Ergebnis: In den windradreichen Kommunen lagen die Neuerkrankungsraten bei Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen hochsignifikant über dem Normalniveau. In den Vergleichsgemeinden blieben die Fallzahlen unauffällig.

Die Studie wurde im April auf dem Kongress der Gesellschaft für Innere Medizin präsentiert, wie das Westfalen-Blatt berichtet. Vahl betont ausdrücklich, dass keine Diagnosen gestellt, sondern ausschließlich vorhandene Daten ausgewertet wurden. Zudem weist er darauf hin, dass Infraschall nur ein Teil der niederfrequenten Schallenergie sei, die Windräder aussenden – der tatsächliche Gesundheitseffekt könnte also noch breiter sein.

„Gesundheitspolitischer Skandal"

Der Verein Vernunftkraft NRW, der sich gegen überbordenden Windkraftausbau einsetzt, begrüßt die Ergebnisse als bislang stärksten Beleg dafür, dass Windradlärm den menschlichen Körper direkt schädigt – und kein bloß psychologisches Phänomen ist. Vorsitzender Volker Tschischke, selbst Bewohner des Borchener Ortsteils Etteln, spricht von einem „gesundheitspolitischen Skandal” – zumal der Kreis Paderborn der Hotspot des NRW-Windkraftausbaus ist.

Gegenwehr kam umgehend vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Nordrhein-Westfalen. Der Verband zweifelt an der Aussagekraft der Studie, verweist auf eine angebliche Mehrheit anderslautender Untersuchungen und kritisiert, andere Krankheitsursachen seien nicht berücksichtigt worden. Darüber hinaus wirft der LEE den Autoren politische Motivation vor. Eine frühere Studie Vahls zum selben Thema sei von der Universität Mainz zurückgezogen worden; die Uni distanzierte sich und stellte klar, dass entsprechende Verlautbarungen „nicht Teil der öffentlichen Darstellung der Universitätsmedizin” seien.

Dass Windkraftanlagen und Gesundheitsschäden kein rein theoretisches Thema sind, zeigt auch ein früherer exxpress-Bericht: Ein Gericht hatte bereits den Zusammenhang zwischen Windkraft-Emissionen, Stress und Erkrankungen ausdrücklich bejaht.