Taxiprotest legt Wien lahm: Demonstration sorgt für Staus
Der Wiener Verkehr stand am Dienstagnachmittag vor einer Belastungsprobe. Taxifahrer zogen mit hunderten Fahrzeugen durch die Stadt, um auf ihre angespannte wirtschaftliche Lage aufmerksam zu machen. Die Aktion trifft die Bundeshauptstadt ausgerechnet zur Stoßzeit – mit spürbaren Folgen für den Verkehr, insbesondere im innerstädtischen Bereich.
Ab dem Nachmittag waren wohl rund 800 Taxis unterwegs. Besonders betroffen waren der erste und zweite Bezirk, wo sich die Demonstrationsroute mit dem dichten Berufsverkehr überschnitt. Zwischen 16.00 und 18.00 Uhr mussten Autofahrer mit Verzögerungen rechnen, da sich die Kolonnen durch zentrale Verkehrsadern bewegen.
Der Mobilitätsclub ÖAMTC rechnete im Voraus mit erheblichen Staus unter anderem auf der Wagramer Straße und der Lassallestraße. Auch der Bereich rund um den Praterstern, die Untere Donaustraße sowie Abschnitte entlang der Rossauer Lände dürften stark belastet sein. Weitere Engpässe wurden am Franz-Josefs-Kai, auf dem Ring, der Zweierlinie sowie im Umfeld von Schwarzenbergplatz und Karlsplatz erwartet.
Unmut über Billigfahrdienste
Die Kundgebung steht unter dem Titel „Schwierige Situation der Taxiunternehmen“. Damit machen die Fahrer ihrem Ärger über die Konkurrenz durch internationale Plattformen wie Uber und Bolt Luft. Aus Sicht der Branche verzerren diese Anbieter den Markt, da sie mit niedrigeren Preisen operieren und aus Sicht vieler Taxiunternehmer nicht denselben regulatorischen Auflagen unterliegen.
Bereits im vergangenen Herbst hatten Wiener Taxifahrer aus ähnlichen Gründen protestiert. Damals beteiligten sich rund 2.000 Fahrzeuge an der Demonstration, was insbesondere rund um den Praterstern zu massiven Verkehrsbehinderungen führte.
E-Taxi-Pflicht als zusätzlicher Druckfaktor
Neben dem Wettbewerbsdruck durch neue Mobilitätsdienste sehen sich die Taxiunternehmer mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: der vollständigen Umstellung auf emissionsarme Fahrzeuge. Seit Anfang 2025 werden neue Taxikonzessionen in Wien ausschließlich für Elektrofahrzeuge vergeben. Diese Vorgabe hat spürbare Auswirkungen auf die Branche.
Nach Angaben der Vermittlungszentrale Taxi 40100 wurden bis Ende 2025 nur rund 350 neue Taxis zugelassen. Im Vergleich dazu lag die Zahl der Neuzulassungen im Vorjahr noch bei über 1.000 Fahrzeugen. Insgesamt sind von etwa 8.100 registrierten Taxis in Wien rund zwei Drittel als Hybrid unterwegs, während lediglich etwa 575 Fahrzeuge rein elektrisch betrieben werden.
Hohe Kosten und fehlende Ladeoptionen
Branchenvertreter verweisen vor allem auf die hohen Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge und die aus ihrer Sicht unzureichende Ladeinfrastruktur. Viele Taxiunternehmer verfügen über keine privaten Ladeplätze und sind auf öffentliche Stationen angewiesen. Zwar ist das Netz zuletzt gewachsen – derzeit gibt es rund 170 Schnellladestandorte mit etwa 550 Ladepunkten, was einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aus Sicht vieler Fahrer reicht das jedoch nicht aus, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.
Hinzu kommen lange Ladezeiten und fehlende Planbarkeit. Anders als beim klassischen Tankvorgang lassen sich Ladefenster nicht reservieren. Wartezeiten an den Stationen bedeuten für die Fahrer direkte Einnahmeverluste, da Fahrzeuge in dieser Zeit nicht im Einsatz sind. Eine verbindliche Reservierungsmöglichkeit für Ladepunkte existiert in Österreich bislang nicht.
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