Die Säbelantilope kann monatelang ohne Wasser auskommen und ihre Körpertemperatur auf bis zu 46 Grad erhöhen, ohne zu schwitzen. Doch selbst diese Überlebenskunst reichte nicht: Bis 2012 lebte die Art nur noch in Zoos und Reservaten. In freier Wildbahn galt sie als „in der Wildnis ausgestorben“.

Genau hier setzt ein ungewöhnliches Naturschutzprojekt an, das laut Material sogar ganze Ökosysteme stabilisieren kann. Gelingt die Wiederansiedlung dauerhaft, wäre die Säbelantilope erst das sechste große Säugetier, das nach dieser Einstufung dank gezielter Zuchtprogramme wieder in die Freiheit zurückkehrt.

Grund für das Aussterben sind laut Tania Gilbert, Leiterin der Naturschutzforschung bei Marwell Wildlife, das schmackhafte Fleisch sowie Leder von „ausgezeichneter Qualität“, wie die BBC berichtet.

"Tinder" für Antilopen

Marwell Wildlife baut deshalb seit den 1960er-Jahren ein internationales Zuchtprogramm auf, intern wie eine Art „Tinder“ für bedrohte Arten. Zoologin Sophie Whitemore führt das Zuchtbuch, das mittlerweile 3.295 Tiere aus 182 Zoos und Institutionen umfasst. „Wenn ein Tier geboren wird, erscheint es in meinem System, und ich weiß, wer die Eltern sind und woher es stammt“, erklärt sie.

Der entscheidende Test kam 1985 in Tunesien: Zehn Tiere wurden im Bou-Hedma-Nationalpark ausgewildert. „Niemand wusste, ob es funktionieren würde“, sagt Gilbert. Das Gebiet sei klein gewesen, „aber sie leben dort bis heute“.

Und: Die Antilopen wirken als Natur-Motor. Biologin Marie Petretto erklärt, Dörfer würden heute vom Sand überrollt, weil Vegetation keine Erholung bekomme. Nach der Auswilderung habe man diese Erholung beobachtet: Auf jährlichen 1.300-Kilometer-Wanderungen verbreiten die Tiere Samen. Gilbert resümiert: „Sie sind ein zentrales ökologisches Element für die Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems.“