Die nächste Eskalationsstufe im Streit um Antisemitismus an US-Eliteunis ist erreicht: Das US-Justizministerium hat Harvard verklagt. Der Vorwurf wiegt schwer. Die Universität habe Diskriminierung gegen Juden und Israelis auf dem Campus nicht gestoppt und ihre eigenen Regeln nicht konsequent durchgesetzt.

In der Klage, die vor einem Bundesgericht in Boston eingereicht wurde, heißt es, Harvard habe antisemitische Belästigung und Ausgrenzung bewusst nicht wirksam unterbunden. Die zuständige Staatssekretärin für Bürgerrechte, Harmeet Dhillon, wirft der Hochschule vor, gegenüber den Vorfällen absichtlich gleichgültig gewesen zu sein. Wörtlich erklärte sie, dieses Justizministerium habe „keine Toleranz für derart unverfrorene Verstöße gegen Bundesrecht“.

Vorwürfe nach dem 7. Oktober

Ein großer Teil der in der Klage aufgelisteten Vorfälle bezieht sich auf die Zeit nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel und den darauffolgenden Gaza-Krieg. In dieser Phase kam es an vielen US-Universitäten zu massiven Protesten, darunter auch in Harvard.

Besonders hervorgehoben wird in der Klageschrift ein Protestcamp auf dem Harvard-Campus im Frühjahr 2024, das sich über zwanzig Tage hinzog. Selbst Universitätspräsident Alan Garber habe das Verhalten damals als unvertretbar und inakzeptabel bezeichnet. Nach Ansicht der Bundesregierung blieb es jedoch nicht bei politischen Spannungen: Jüdische und israelische Studenten seien beleidigt, eingeschüchtert und bedrängt worden.

Auch eine Harvard-interne Taskforce zu Antisemitismus und anti-israelischer Voreingenommenheit habe laut Klage auf Missstände hingewiesen. Genannt wird unter anderem der Ausschluss israelischer oder zionistischer Studenten aus sozialen Räumen und Freizeitaktivitäten.

Fast eine Milliarde Dollar im Feuer

Für Harvard geht es nicht nur um Image, sondern auch um gewaltige Summen. Die Regierung verlangt vom Gericht, weitere Diskriminierung zu untersagen, die Leitung der Universität zur Durchsetzung bestehender Disziplinarmaßnahmen zu verpflichten und mehr als 953 Millionen Dollar an Bundeszuschüssen seit Oktober 2023 zurückzuzahlen.

Zusätzlich fordert die Regierung einen unabhängigen Aufseher, der Harvard regelmäßig kontrollieren soll. In der Klage wird außerdem darauf verwiesen, dass Zuschüsse des Gesundheitsministeriums an Harvard mehr als 2,6 Milliarden Dollar betragen. Ein Großteil dieser Mittel war bereits im vergangenen Jahr eingefroren worden, bevor Gerichte dagegen entschieden.