Eine repräsentative Befragung der Internationalen Hochschule IU zeigt, wie deutlich die Ablehnung langer Arbeitszeiten ausfällt. Rund drei Viertel der Befragten bewerten eine Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden als negativ für ihr Leben. Viele nennen fehlende Zeit für Familie, Freunde oder persönliche Interessen, andere verweisen auf körperliche und psychische Belastungen.

Die Botschaft ist eindeutig: Mehrarbeit wird von der Mehrheit nicht als Lösung, sondern als zusätzliche Belastung wahrgenommen.

Vollzeit bleibt – aber mit Grenzen

Trotzdem bedeutet diese Haltung keine grundsätzliche Abkehr von klassischer Erwerbsarbeit. Am beliebtesten bleibt ein Vollzeitmodell mit 35 bis 40 Wochenstunden. Knapp 45 % der Befragten sehen darin die beste Balance für ihre aktuelle Lebenssituation.

Dicht dahinter folgt jedoch bereits die Vier-Tage-Woche mit rund 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich – ein Modell, das inzwischen mehr als ein Drittel der Teilnehmer bevorzugt. Klassische Teilzeit unter 35 Stunden spricht weitere knapp 19 % an. In der Summe wünschen sich damit über die Hälfte der Befragten eine Wochenarbeitszeit unterhalb der 35-Stunden-Marke.

Politische Forderungen treffen auf gesellschaftliche Realität

Die Ergebnisse fallen in eine Phase intensiver politischer Diskussionen. Vertreter der Mittelstands- und Wirtschaftsunion hatten zuletzt vor einer zunehmenden „Lifestyle-Teilzeit“ gewarnt. Auch Markus Söder brachte die Idee ins Spiel, dass eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Tag für die meisten zumutbar sei.

Demgegenüber steht die arbeitsrechtliche Reformagenda der neuen Bundesregierung. CDU/CSU und SPD wollen den klassischen Acht-Stunden-Tag aufweichen und stattdessen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ermöglichen. Formal erlaubt das geltende Arbeitszeitgesetz bereits bis zu 48 Stunden pro Woche – verteilt auf sechs Tage.