Kieslich: „Das ist kein Fehler – das ist Manipulation“
Öffentlich-rechtliche Sender geraten unter Druck: KI-Videos ohne klare Kennzeichnung, Bilder aus falschem Kontext und der Vorwurf systematischer Verzerrung nähren Zweifel an Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit.
In exxpress live wurde am 18. Februar intensiv über die jüngsten Manipulationsvorwürfe gegen das ZDF diskutiert. Mit dabei: FPÖ-Wien-Politiker Wolfgang Kieslich und Publizist Werner Reichel. Im Zentrum stand die Frage, ob es sich bei falsch eingeordneten und KI-generierten Bildern im „Heute-Journal“ um einen Ausrutscher – oder um ein strukturelles Problem handelt.
„Bollwerk gegen Fake News – und selbst mittendrin?“
Auslöser der Debatte: Ein KI-generiertes Video über Abschiebungen in den USA lief ohne klare Kennzeichnung. Zusätzlich wurde reales Bildmaterial aus dem Jahr 2022 in einen aktuellen Kontext gestellt. Das ZDF sprach von einem „redaktionellen Fehler“.
Für Kieslich ist das zu wenig. Wer sich selbst als Bollwerk gegen Desinformation inszeniere, dürfe sich solche Vorgänge schlicht nicht leisten. „Das ist kein Ausrutscher – das ist System“, so seine zugespitzte Einschätzung. Öffentlich-rechtliche Sender seien längst „Teil der Macht“ und nicht mehr deren Kontrolle.
Reichel widerspricht nicht grundsätzlich, wählt aber eine differenziertere Linie: Fehler seien im Medienbetrieb möglich – doch bei Häusern mit tausenden Mitarbeitern müsse die Messlatte höher liegen. Gerade wenn es um KI-Bilder geht, sei sorgfältige Prüfung Pflicht. „Check, Recheck, Doublecheck – das war einmal journalistischer Standard“, erinnert er. Beide eint die Kritik an mangelnder Transparenz. Die Entschuldigung sei spät und zögerlich erfolgt, echte Konsequenzen nicht erkennbar.
„Haltung statt Berichterstattung?“
In der Diskussion wurde der Vorwurf laut, viele Leitmedien verstünden sich zunehmend als politische Akteure. Seit 2015 – Stichwort Migration – und spätestens seit Corona habe sich ein Wandel vollzogen: vom Berichterstatter zum „Haltungsjournalisten“.
Reichel spricht von einer „Eskalationsstufe“: Früher habe man geframt oder weggelassen, heute greife man zu offenen Verzerrungen. Kieslich sieht eine Doppelmoral: Während alternative Medien rasch als „Fake-News-Schleudern“ gebrandmarkt würden, kämen öffentlich-rechtliche Sender mit Entschuldigungen davon.
Gleichzeitig mahnen beide zur Quellenkritik – auch in sozialen Medien. KI mache die Unterscheidung zwischen echt und manipuliert immer schwieriger. Umso wichtiger sei journalistische Sorgfalt.
Im Hintergrund schwingt eine größere Frage mit: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure? Und braucht es strengere Regeln – oder weniger politische Einflussnahme?
Einig sind sich die Diskutanten in einem Punkt: Vertrauen sei die zentrale Währung der Medien. Und die werde verspielt, wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.
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