Gleich mehrere Schutzengel dürfte eine 87-Jährige in der Nacht auf den Heiligen Abend auf der rund 1.400 Meter hohen Katrin bei Bad Ischl gehabt haben: Die Seniorin, die ohne Handy unterwegs war, hatte die letzte Talfahrt verpasst und wurde nach einer eisigen Nacht durch Zufall gerettet. Der Ischler Woche schilderten sie und ihre Retter das “Weihnachtswunder”.

Weil über dem Tal dichter Nebel hing, fuhr die ehemalige Bergführerin und leidenschaftliche Fotografin am 23. Dezember nachmittags mit der Seilbahn hinauf, um zu fotografieren. Als sie fertig war, musste sie feststellen, dass sie die letzte Talfahrt verpasst hatte. Dass sie kein Mobiltelefon dabeihatte, war “sehr leichtsinnig, ich weiß”, meinte sie reumütig im Gespräch mit der Zeitung. Glücklicherweise entdeckte sie bei der Bergstation ein kleines Stübchen, das nicht abgeschlossen war. “Es gab zwar kein Wasser, aber es war warm.” Das Kämmerchen ist normalerweise versperrt, aber es war an diesem Tag irrtümlich offen geblieben.

Bergretter auf Weihnachtsausflug

Nach einer unbequemen Nacht musste sie feststellen, dass die Seilbahn am 24. Dezember nicht fuhr und sie entschloss sich, den Abstieg zu Fuß zu wagen. Doch wegen der eisigen Bedingungen kehrte sie bald um und suchte Zuflucht bei der Katrin-Berghütte. “Ich hatte große Angst, dass ich den ganzen Tag und noch eine weitere Nacht hier oben bleiben muss”, erzählte sie.

Ihr Glück: Eine zehnköpfige Gruppe der Bergrettung Bad Goisern war im Rahmen ihres alljährlichen Weihnachtsausflugs auf der Katrin unterwegs und stieß auf die bereits leicht unterkühlte Seniorin. “Zuerst haben wir versucht, die Dame vor dem Wind zu schützen. Es war stürmisch und bitterkalt”, erzählte einer der Alpinisten.

Offene Tür als "Weihnachtswunder"

Die Bergretter riefen Johannes Aldrian, den Betreiber der Katrin-Bergbahn an, der sich sofort auf den Weg machte und die Bahn in Betrieb nahm. Kurz darauf konnte die 87-Jährige, versorgt mit Tee und Decken, ins Tal fahren. Die Dame habe den Zwischenfall gut überstanden, sagte Aldrian, der den Artikel gegenüber der APA bestätigte, am Donnerstag. Dass das Kämmerchen bei der Bergstation offen war, weil jemand vergessen hatte abzusperren, sei für ihn “ein wahres Weihnachtswunder”.