Wenn Scheine & Münzen verschwinden: Wie der Alltag leise bargeldlos wird
Es ist kein Paukenschlag, sondern ein langsamer Umbau. An der Supermarktkasse, am Parkautomaten oder beim Ticketkauf fällt immer öfter auf: Bargeld-Zahlungen sind nicht mehr selbstverständlich. Die Verbraucherzentrale Bundesverband warnt vor der zunehmenden Digitalisierung und dem Wandel hin zur Kartenzahlung.
Nach Einschätzung der Verbraucherschützer sinkt die Akzeptanz von Bargeld quer durch Handel, Gastronomie und sogar öffentliche Dienstleistungen kontinuierlich. Für Verbraucher bedeutet das nicht nur Umwege und Zusatzaufwand, sondern im Zweifel den Ausschluss. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder oder Personen ohne digitale Zahlungsmittel – Gruppen, die im Eifer der technischen Modernisierung allzu leicht übersehen werden.
Bequem für Anbieter – problematisch für Bürger
Aus Sicht vieler Unternehmen ist der Trend nachvollziehbar. Kartenzahlung und App-Lösungen reduzieren den Aufwand, senken das Risiko von Diebstahl und vereinfachen die Abwicklung. Doch was betriebswirtschaftlich effizient ist, kann gesellschaftlich teuer werden. Denn mit jeder Kasse, die nur noch Karten akzeptiert, schrumpft der Raum für jene, die bewusst oder notgedrungen bar bezahlen.
Die Verbraucherschützer fordern daher klare Leitplanken. Auch neue Technologien dürften Bargeld nicht komplett verdrängen. Ob Selbstbedienungskassen, Parkscheinautomaten oder Ticketgeräte im öffentlichen Verkehr – überall müsse zumindest ein relevanter Anteil an bar nutzbaren Optionen erhalten bleiben.
Bargeld als Schutzraum vor digitaler Welt
Dabei geht es längst nicht nur um Nostalgie. Bargeld erfüllt Funktionen, die digitale Systeme nicht ersetzen können. Es schützt die Privatsphäre und Anonymität, ermöglicht eine unmittelbare Kontrolle der Ausgaben und funktioniert unabhängig von Strom, Netz oder Software. Gerade in Störfällen – wenn Terminals ausfallen oder Systeme streiken – zeigt sich, wie fragil rein digitale Zahlungsstrukturen sein können.
Hinzu kommt ein Aspekt, der zunehmend mitschwingt: Mit jeder Einschränkung der Bargeldnutzung wird der Weg zu vollständig digitalen Zahlungssystemen, wie dem digitalen Euro geebnet. Kritiker sehen darin eine stille Vorbereitung auf neue Formen staatlich oder zentral gesteuerter Bezahlmodelle. Je weniger Alternativen existieren, desto geringer ist die Wahlfreiheit der Bürger.
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