Burger, Steaks, Kreuzfahrten, Autos oder Flugreisen: Was in Deutschland alltäglich beworben wird, soll in Amsterdam bald komplett aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Ab diesem Sommer will die niederländische Hauptstadt Werbung für Fleisch, fossile Energie, Fastfood-Ketten, Kreuzfahrten und Flugreisen auf Plakaten, LED-Wänden, Straßen und Haltestellen verbieten. Eine Mehrheit im Stadtrat hat dem Vorhaben zugestimmt.

Wann genau das Verbot in Kraft tritt, ist noch offen. Die zuständige Stadträtin Melanie van der Horst erklärte gegenüber De Telegraaf, der ursprünglich im Mai geplante Termin sei zu früh, es brauche einen „vernünftigen Stichtag“. Am Grundsatz besteht jedoch kein Zweifel: Das Verbot kommt.

Erste Hauptstadt mit Fleisch-Werbeverbot

Während Werbung für fossile Brennstoffe in den Niederlanden bereits in mehreren Städten untersagt ist – darunter Den Haag, Utrecht und Nimwegen – geht Amsterdam nun einen Schritt weiter. Nach Angaben der Stadt ist sie die erste Hauptstadt weltweit, die Fleischwerbung vollständig verbietet. Im vergangenen Jahr scheiterte sogar eine Klage von Reiseveranstaltern gegen ein ähnliches Werbeverbot vor Gericht.

Schon 2020 gab es einen Anlauf, Werbung für fossile Energie zu untersagen. Damals scheiterte das Projekt politisch. Jetzt ist der Wille da – getragen vor allem von der grünen Partei GroenLinks.

Grüne jubeln – Kritiker warnen

GroenLinks spricht von einem „wichtigen Sieg für das Klima und die öffentliche Gesundheit“. Die grüne Stadtabgeordnete Jenneke van Pijpen erklärte: „Für Werbung großer Unternehmen, die die Klimakrise vorantreiben, ist in Amsterdam kein Platz mehr.“

Die Begründung: Werbung beeinflusse das Kaufverhalten und trage damit zum CO₂-Ausstoß bei. Van Pijpen verweist auf Studien, wonach Menschen nach dem Sehen bestimmter Werbung gezielt zu genau diesen Produkten greifen würden.

Kritiker sehen darin jedoch eine gefährliche Entwicklung. Was heute Werbung für Fleisch und Reisen sei, könne morgen jede andere politisch unerwünschte Konsumentscheidung treffen. Statt auf Information und Eigenverantwortung zu setzen, werde der öffentliche Raum zunehmend ideologisch gefiltert.

Kein landesweites Verbot – vorerst

Ein landesweites Werbeverbot ist in den Niederlanden derzeit nicht geplant. Klimaministerin Sophie Hermans erklärte bereits im Dezember, dass sie davon nichts hält. Umso auffälliger ist der Alleingang der Hauptstadt.