Seit Jahren sorgt ein geplantes Denkmal für den polnischen König Jan III. Sobieski am Wiener Kahlenberg für Kontroversen. Nun ist der Streit erneut aufgeflammt – und erreicht erstmals die diplomatische Ebene.

Bereits 2018 genehmigt, später gestoppt und Ende 2024 endgültig abgelehnt, bleibt das Denkmal bis heute aus. Die damalige Begründung der Stadt Wien: Man wolle „keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze sowie islamfeindliche oder antitürkische Ressentiments instrumentalisiert werden kann“.

Diese Argumentation stößt nun auf scharfen Widerspruch aus Polen.

Polnische Botschaft: „Wien ist Sobieski etwas schuldig“

Der polnische Botschafter Zenon Kosiniak-Kamysz widerspricht der Wiener Kulturpolitik deutlich. Gegenüber „Heute“ sagt er: „Die Stadt Wien hat uns das Denkmal versprochen.“

Die Statue sei längst fertiggestellt und stehe derzeit in Polen. Ziel sei weiterhin, sie am historischen Ort am Kahlenberg zu errichten. Der Botschafter betont: „Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Denkmäler.“

Zur Untermauerung verweist er auf bestehende Erinnerungsorte in Wien, etwa für Che Guevara oder eine Stalin-Gedenktafel.

Geschichte statt Ideologie

Für Polen ist Sobieski eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Am 12. September 1683 führte er das christliche Entsatzheer zum Befreiung über das Osmanische Reich – ein Ereignis, das bis heute als Wendepunkt gilt. Sobieski wird vielfach als der „Retter Wiens“ bezeichnet.

Dass die Stadt Wien argumentiert, es gebe bereits ein Sobieski-Denkmal, lässt der Botschafter nicht gelten: „Das ist doch nur ein Sockel, die Inschrift ist kaum lesbar.“ Sein Fazit ist eindeutig: „Die Stadt Wien ist Sobieski etwas schuldig.“

Stadt Wien bleibt bei Linie – ÖVP spricht von „peinlicher Farce“

Die Stadt Wien betont ihre „hohe Wertschätzung“ für Sobieski und verweist auf bestehende Erinnerungsorte wie die Sobieskigasse oder den Sobieskiplatz. Erinnerungskultur sei ein „lebendiger, dialogischer Prozess“.

Die ÖVP Wien kritisiert das Vorgehen scharf. Jan Ledochowski spricht von einer „peinlichen Farce der SPÖ-Neos-Stadtregierung“, da am Kahlenberg seit Jahren ein leerer Sockel stehe.