Windräder auf 2300 Metern Höhe? Neues Projekt sorgt für Kritik
Neue Windkraftpläne sorgen für Unruhe in Osttirol. Eine niederösterreichische Energiefirma prüft Standorte in Obertilliach, doch der Bürgermeister stellt sich quer. Für ihn steht viel mehr als nur Strom auf dem Spiel.
Windkraft in alpiner Lage sorgt in Osttirol seit Jahren für heftige Diskussionen. (Symbolbild)IMAGO/Westend61
Windkraft auf über 2.300 Metern Seehöhe: Was andernorts als Fortschritt gilt, sorgt in Osttirol seit Jahren für heftige Debatten. Während auf der Compedal-Hochalm in Assling bereits sieben Windräder geplant sind, könnte nun auch Obertilliach zum nächsten Brennpunkt werden. Gespräche mit der EVN laufen, die Agrargemeinschaft denkt nach, doch aus dem Gemeindeamt kommt deutlicher Widerstand.
EVN sondiert Windpark zwischen Golzentipp und Dorfberg
Konkret geht es um ein mögliches Windkraftprojekt zwischen dem Golzentipp und dem Dorfberg. Dort plant die Energieversorgung Niederösterreich (EVN) aktuell den Bau von fünf Windrädern. Die Initiative dazu besteht bereits seit rund einem Jahr, dennoch befindet sich das Projekt noch in einer sehr frühen Phase.
EVN-Sprecher Stefan Zach erklärte gegenüber der Krone: „Es gab Gespräche mit den Grundbesitzern und Almbewirtschaftern vor zwei Wochen. Diese waren sehr konstruktiv.“ Die zuständige Agrargemeinschaft Obertilliach prüft nun, ob sie sich auf das Vorhaben einlassen will.
„Partnerschaften machen viel Sinn“
Laut EVN ist Obertilliach die erste von mehreren Osttiroler Gemeinden, die kontaktiert wurden. Im Mittelpunkt stehe dabei vor allem der Dialog mit den Betroffenen. Zach betont: „Diese machen viel Sinn, weil wir Erfahrung in Sachen Planung haben und unsere Partner die Gegend kennen.“
Man wolle gezielt dort aktiv werden, „wo wir Gebiete identifiziert haben, in denen Windkraft möglich ist“. Gleichzeitig stellt die EVN klar: Sollte sich zeigen, dass kein Interesse besteht, wird ein Projekt auch wieder eingestellt. Der nächste Schritt liege nun bei der Agrargemeinschaft.
Bürgermeister bleibt klar dagegen
Selbst bei einer Zustimmung der Agrargemeinschaft ist das Projekt jedoch noch nicht fix. Auch die Gemeinde Obertilliach müsste grünes Licht geben, doch genau hier regt sich massiver Widerstand. Bürgermeister Matthias Scherer macht aus seiner Ablehnung keinen Geheimnis: „Wir waren vor einem Jahr dagegen, das ist auch jetzt nach wie vor so. Für größere Windparks wird in Tirol kein Platz sein.“
Besonders kritisch sieht Scherer die Auswirkungen auf die gesamte Region. Nicht nur Obertilliach, sondern auch mehrere Nachbargemeinden wären betroffen. Zudem sei ein sensibler demokratischer Prozess nötig: „Man muss einen demokratischen Weg finden. Wenn der Großteil der Bevölkerung sagt, dass es kein Problem ist, dann wird man sich dem stellen müssen.“
Sorge um naturbelassene Tourismusregion
Für den Bürgermeister steht vor allem der Tourismus im Fokus. Obertilliach lebe von seiner Landschaft und seinem Image. Scherer bringt es auf den Punkt: Man zeige „immer mit unserer naturbelassenen Gegend auf“.
Ob Windräder in dieser Höhe mit diesem Selbstverständnis vereinbar sind, bleibt offen. Klar ist jedoch: Das nächste Kapitel der Windkraft in Osttirol steht erst am Anfang – und birgt reichlich Konfliktpotenzial.
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