Wolfspanik im Burgenland: 80 Meldungen gehen ein
Als im vergangenen Sommer im Nordburgenland mehrfach ein Wolf gesichtet wurde, war die Verunsicherung groß. Berichte über Risse von Nutztieren machten die Runde, Diskussionen über Herdenschutz und Abschuss nahmen an Schärfe zu. Das Land reagierte rasch und schuf eine eigene Online-Meldestelle für Wölfe und andere Großraubtiere. Ein halbes Jahr später liegt nun eine erste Zwischenbilanz vor – mit einem überraschend eindeutigen Ergebnis.
Der bislang letzte gesicherte Wolfsnachweis im Burgenland datiert aus dem Sommer des Vorjahres. Damals wurde das Tier im Raum Mannersdorf dokumentiert und über das neu eingerichtete Portal gemeldet.
Roman Bunyai vom Referat Jagd und Fischerei des Landes Burgenland erklärt im Gespräch mit dem ORF: „Seitdem haben wir keine Nachweise mehr. Wir sind aber bereits damals davon ausgegangen, dass es sich um ein Individuum handelt, das sich auf dem Durchzug befindet und genau so war es auch. Seither ist es um den Wolf ruhig geworden im Burgenland.“
Die Einschätzung der Fachabteilung hat sich somit bestätigt: Offenbar handelte es sich um ein einzelnes Tier auf Wanderschaft – nicht um ein dauerhaft ansässiges Rudel.
Viele Meldungen – andere Tiere im Fokus
Trotz ausbleibender Wolfsbestätigungen blieb das Interesse der Bevölkerung hoch. Rund 80 Hinweise gingen seither über das Online-Tool ein. Die Plattform wird laut Landesangaben intensiv genutzt.
„Das Onlinetool des Jagd- und Fischereireferates wird sehr gut angenommen. Wir haben rund 80 Einmeldungen über dieses Portal. Die allermeisten gesicherten Nachweise, die wir erhalten haben, gehen auf das Konto des Goldschakals“, so Bunyai.
Der Goldschakal breitet sich seit Jahren in Ostösterreich aus und sorgt zunehmend für Aufmerksamkeit. Mehrere Meldungen, die zunächst als mögliche Wolfssichtungen gemeldet wurden, stellten sich im Nachhinein als Beobachtungen größerer Hunde heraus. Fehlinterpretationen sind bei flüchtigen Sichtungen nicht ungewöhnlich.
Tirol verschärft das Jagdrecht
Während es im Burgenland, mehr oder weniger ruhig geblieben ist, was Wolfsichtungen angeht, spitzt sich die Debatte in anderen Bundesländern zu. In Tirol haben sich die Wolfsbeobachtungen zuletzt gehäuft. Der Landtag beschloss daher Anfang Februar eine Änderung des Jagdgesetzes, um schneller reagieren zu können.
Ab 1. April 2026 können Wölfe dort auch ohne gesonderte Verordnung entnommen werden. Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP), zuständig für Jagd und Landwirtschaft, begründete den Schritt mit bisherigen Verzögerungen: „Wir waren bisher zu langsam.“
Insgesamt wurden 2025, 277 Nutztiere – überwiegend Schafe – als gerissen gemeldet, ein Anstieg von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weitere 592 Tiere galten als abgängig und wurden ebenfalls entschädigt – ein Plus von über 200 Prozent im Vergleich zu 2024.
Die Zahlen aus Tirol zeigen, wie stark das Thema emotional und wirtschaftlich aufgeladen ist. Laut aktuellem Jahresbericht „Große Beutegreifer“ zahlte das Land 2025 rund 219.000 Euro Entschädigung für gerissene oder vermisste Weidetiere. Zusätzlich flossen etwa 24.000 Euro an Futterbeiträgen für Tiere, die vorzeitig von Almen abgetrieben wurden.
Kommentare