Energie-Experte Zmueegg warnt: „Dann entscheidet die Politik, wer tanken darf“
Steigende Energiepreise sorgen für neue politische Forderungen nach staatlichen Eingriffen. Doch solche Maßnahmen könnten mehr Schaden als Nutzen bringen – und langfristige energiepolitische Fehler rächen sich jetzt.
In exxpress live wurde am Dienstag intensiv über steigende Energiepreise und mögliche politische Eingriffe diskutiert. Mit dabei: Unternehmer Gerald Zmuegg, Politik-Experte Ralph Schöllhammer und Kommunikationsberater Christoph Pöchinger, moderiert von Volker Piesczek.
„Krieg und Krisen treiben Preise – das ist Realität“
Die Forderung nach einem staatlichen Preisdeckel für Treibstoffe, wie sie SPÖ-Chef Andreas Babler ins Spiel gebracht hat, sieht Unternehmer Gerald Zmuegg äußerst kritisch. Die Aussage, Krieg und Krisen dürften keine Preistreiber sein, bezeichnet er als politisches Wunschdenken: Sinngemäß sei das so, als würde man behaupten, zwei plus zwei dürfe nicht vier sein. Kriege und geopolitische Krisen würden zwangsläufig zu höheren Preisen führen – das sei ökonomische Realität.
Preisdeckel könnten zwar kurzfristig populär wirken, doch sie lösten das eigentliche Problem nicht. Zmuegg verweist darauf, dass Preise vor allem eine Funktion hätten: Sie verteilen knappe Ressourcen. Wenn ein Produkt nicht ausreichend verfügbar sei, müsse entweder der Markt oder die Politik entscheiden, wer es bekommt. Werde der Preis künstlich begrenzt, verschwinde die Knappheit nicht – sie äußere sich dann einfach anders.
Ungarns Spritpreisdeckel als warnendes Beispiel
Als Beispiel nennt Zmuegg den Spritpreisdeckel in Ungarn. Dort habe die Maßnahme genau das Gegenteil des Gewünschten ausgelöst: Sobald Treibstoff künstlich verbilligt werde, strömten Autofahrer aus Nachbarländern ins Land – und die Tankstellen seien plötzlich leer. Genau das sei passiert, als der Preis in Ungarn deutlich niedriger gewesen sei als in den umliegenden Staaten. Die Folge: Knappheit statt Entlastung.
Auch andere staatliche Eingriffe hätten ähnliche Probleme gezeigt. Der Mietpreisdeckel in Berlin sei ebenfalls gescheitert und habe letztlich zu einem Rückgang des Angebots geführt.
Neben der Preisfrage sehen die Diskutanten auch strukturelle Ursachen für die hohen Energiepreise. Österreich sei seit Jahrzehnten stark von internationalen Energiemärkten abhängig. Fehlende Investitionen in Energieunabhängigkeit und politische Widerstände gegen Infrastrukturprojekte hätten dazu beigetragen, dass das Land heute besonders anfällig für globale Preisschocks sei.
Neben den Energiepreisen diskutierten die Gäste auch über die Reform der Wirtschaftskammer, Kritik am ORF sowie über Energiepolitik und Klimastrategien in Europa.
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