US-Antisemitismus-Bericht belastet Islamophobie-Projekt schwer – Farid Hafez schweigt
Ein Bericht aus Washington bringt den österreichischen Politologen Farid Hafez in Bedrängnis. Die an der Georgetown University angesiedelte Bridge Initiative, mit der er eng verbunden ist, soll Kritiker des politischen Islam verunglimpft und sogar die Terrorgruppe Hamas verteidigt haben. Hafez reagierte auf exxpress-Anfragen nicht.
Farid Hafez bei einer Konferenz in Istanbul (2017) – der Politologe steht nun wegen eines Antisemitismus-Berichts unter Druck.GETTYIMAGES/Emrah Yorulmaz/Anadolu Agency
Ein neuer Bericht des Bildungs- und Arbeitsausschusses im US-Repräsentantenhaus wirft ein düsteres Licht auf die Georgetown University und die dort angesiedelte Bridge Initiative. Entstanden ist er im Rahmen einer längeren Untersuchung zu Antisemitismus an amerikanischen Hochschulen. Auslöser waren Ausschreitungen, Protestcamps und weitere Vorfälle seit dem 7. Oktober 2023.
Im Fokus stehen laut Ausschuss Hochschulleitungen, Professoren, Studentengruppen und ausländische Geldflüsse als mögliche Treiber antisemitischer Tendenzen an US-Unis.
Islamophobie-Projekt oder Kampfinstrument?
Brisant ist, was der Bericht über die Bridge Initiative festhält. Das Projekt, das sich selbst als Forschungsinitiative zu Islamophobie präsentiert, habe in der Praxis einen ganz anderen Kurs verfolgt. Wörtlich heißt es, die Bridge Initiative gebe sich als „mehrjähriges Forschungsprojekt über Islamophobie“ aus, habe aber versucht, „jene zu verunglimpfen, die dem politischen Islam ablehnend gegenüberstehen“.
Unter dem Etikett der Islamophobie-Forschung seien demnach gezielt Kritiker des politischen Islam diskreditiert worden.
Hamas, Holy Land Foundation – ein besonders harter Vorwurf
Noch schwerer wiegt die nächste Passage. Dort heißt es, die Bridge Initiative habe „auch Gruppen verteidigt, die eine zentrale Rolle für antisemitischen Terrorismus gespielt haben, darunter die Holy Land Foundation und die Hamas“.
Bei der Holy Land Foundation handelt es sich laut US-Behörden nicht um irgendeine muslimische Wohltätigkeitsorganisation, sondern um ein Finanzierungsvehikel für die Terrororganisation Hamas. Das US-Finanzministerium ließ ihre Vermögenswerte bereits 2001 einfrieren. 2008 wurde die Stiftung in Texas wegen materieller Unterstützung für Hamas verurteilt. Ein Bundesberufungsgericht stellte später fest: Millionen Dollar seien über karitative Strukturen im Westjordanland und in Gaza an die Terrorgruppe geflossen. Die Richter hielten fest, die Angeklagten seien fair verurteilt worden.
Gelöschtes Factsheet liest sich wie Entlastung
Besonders aufschlussreich ist hier ein mittlerweile gelöschtes Factsheet der Bridge Initiative zur Holy Land Foundation. Darin wird die NGO als verfolgte muslimische Hilfsorganisation und als Opfer von Islamophobie dargestellt. Die Verurteilungen seien erst nach „verfassungsrechtlich fragwürdigen Anklagemethoden“ zustande gekommen.
Auch Hamas wird dort auffällig weich gezeichnet. Sie erscheint nicht primär als islamistische Terrororganisation, sondern als „politische und soziale Organisation mit einem bewaffneten Flügel“, der dem „Widerstand“ diene. Selbst die Terror-Einstufung der Hamas durch die USA wird in diesem Text als politisiert in Zweifel gezogen. In der EU ist Hamas ebenfalls als Terrororganisation gelistet.
Spätestens am Schluss wird die Stoßrichtung des Textes unübersehbar. Ein verurteilter Funktionär der Holy Land Foundation wird dort als „Held“ und „politischer Gefangener“ gepriesen.
630.000 Dollar aus Katar
Besonders heikel ist auch die Finanzierung. „Im März 2024 sagte Katar der Bridge Initiative 630.000 Dollar zu“, heißt es im Bericht. Darüber hinaus verweist der Ausschuss auf eine frühe Spende aus Kuwait in Höhe von fast einer Million Dollar im Jahr 2013. Der Hinweis ist politisch brisant. Vor allem dem Golfstaat Katar wird seit Jahren die Finanzierung islamistischer Gruppen vorgeworfen, auch an US-Hochschulen.
Hafez schweigt trotz mehrfacher Anfrage
Eine Anfrage des exxpress an Farid Hafez blieb unbeantwortet. Der exxpress wollte von ihm wissen, wie er auf die zentralen Vorwürfe des Berichts reagiert – also auf die Behauptung, die Bridge Initiative habe Kritiker des politischen Islam verunglimpft, Hamas und die Holy Land Foundation verteidigt und zugleich Geld aus Katar erhalten. Trotz mehrfacher Anfrage lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.
Hafez war bei der Bridge Initiative keine Randfigur
Die Verbindung von Farid Hafez zur Bridge Initiative war institutionell enger, als es auf den ersten Blick wirken mag. Auf seinem offiziellen Georgetown-Profil heißt es, er sei seit 2017 „non-resident Senior Researcher“ der Bridge Initiative. Dort wird die Bridge Initiative sogar als seine primäre akademische Zuordnung geführt. Auf der Team-Seite des Projekts selbst erscheint er zudem als „Senior Research Fellow“. Von einer bloß losen Verbindung kann daher keine Rede sein.
Hafez ist auch sonst keine Randfigur. Laut seinen offiziellen Profilen promovierte er 2009 in Wien, war von 2014 bis 2021 Postdoc in Salzburg, lehrte anschließend am Williams College und unterrichtet heute Internationale Beziehungen am College of William & Mary. Er ist Gründungsherausgeber des Islamophobia Studies Yearbook und Mitherausgeber des European Islamophobia Report.
Auch in Österreich längst eine bekannte Figur
In Österreich wurde Hafez einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch die Operation Luxor bekannt, eine am 9. November 2020 von der österreichischen Polizei durchgeführte Großrazzia gegen vermeintliche Mitglieder von Muslimbruderschaft und Hamas.
Das Oberlandesgericht Graz stellte die Ermittlungen gegen ihn Anfang 2023 ein. Laut Gericht fand sich in den bisherigen Ermittlungsergebnissen „kein Substrat“ für den Verdacht, Hafez habe terroristische oder staatsfeindliche Strukturen unterstützt oder terroristische Aktivitäten finanziert.
Nicht nur Bridge: Auch Georgetown selbst gerät ins Visier
Der Bericht nimmt nicht nur die Bridge Initiative, sondern die Georgetown University insgesamt ins Visier. Der Ausschuss beschreibt die Nahost-Zentren der Universität als Beispiel dafür, wie stark ideologisch aufgeladene Nahost-Studien in den USA werden können. Er zeichnet ein Umfeld, in dem nicht mehr nüchterne Analyse, sondern aktivistische Deutungsmuster dominieren.
So sei bei Veranstaltungen dieser Zentren etwa behauptet worden, der 7. Oktober könne „nur als Reaktion auf Israels unerbittliche und endlose Provokation“ verstanden werden. Israel werde von einem „wütenden, sadistischen Bedürfnis getrieben, alles auszulöschen“. Der Zionismus sei „auf Rassismus gegründet“. Hamas seien Menschen, „die Widerstand leisten, um eine politische Lösung herbeizuführen“.
Solche Tendenzen sind dem Bericht zufolge tief in offiziellen Universitätsstrukturen verankert. So beherberge Georgetown auch die Middle East Studies Association (MESA), die faktisch als antiisraelische Lobbyorganisation auftrete und in den vergangenen Jahren eine Resolution für die Israel-Boykott-Bewegung BDS verabschiedet habe. Viele jüdische Mitglieder hätten den Verband verlassen. Ein jüdischer Wissenschaftler sagte der Anti-Defamation League: „MESA hasst uns. Wir haben dort keinen Raum, in dem wir sprechen können.“
Vor diesem Hintergrund erscheint die Bridge Initiative im Bericht nicht als Nebenschauplatz, sondern als besonders brisanter Teil eines größeren ideologischen Milieus mit klarer Schlagseite.
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