Antisemitismus: IKG-Präsident rechnet mit „selektiver Empörung der Linken“ ab
In Reaktion auf die jüngsten antisemitischen Vorfälle in der Salzburger Innenstadt meldet sich nun auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten, Elie Rosen, zu Wort.
Der Präsident der jüdischen Gemeinde Graz Elie Rosen am Montag, 24. August 2020, anl. eines Pressestatements nach Gesprächen zu den Attacken auf die jüdische Synagoge in Graz im Innenministerium in Wien. APA/HELMUT FOHRINGER
Unbekannte hatten Fenster der Einrichtung mit Pro-Palästina-Aufklebern und Hakenkreuzen verunstaltet. Rosen sieht darin eine klare Entwicklung:
„An diesem Vorfall manifestiert sich in unverkennbarer Klarheit jener Antisemitismus, der seinen Nährboden in der politischen Linken gesichert weiß – Antisemitismus, der sich allzu oft hinter vermeintlicher Israel-Kritik verbirgt, tatsächlich aber zur Gänze jüdisches Leben ins Visier nimmt.“
Auch die Kombination von Pro-Palästina-Parolen mit NS-Symbolik zeige laut Rosen deutlich, „wes Geistes Kind die Täter seien“.
Kritik an KPÖ, Grünen und SPÖ
Kritisch äußert sich Rosen auch zu politischen Reaktionen. Vertreter von KPÖ, Grünen und SPÖ hatten den Vorfall als „geschichtsvergessen und inakzeptabel“ bezeichnet und Antisemitismus verurteilt.
Rosen hält dazu fest:
„Diese Worte sind richtig – aber sie bleiben hohl, wenn sie nicht auch im politischen Alltag mit entsprechender Konsequenz unterlegt werden.“
Als Beispiel nennt Rosen den Salzburger SPÖ-Gemeinderat Tarik Mete. Dieser habe Anfang März antiisraelische Inhalte verbreitet, die eine Vielzahl antisemitischer Kommentare nach sich gezogen hätten, die nur langsam gelöscht worden seien.
Zustimmung erhält Rosen von Salzburgs LH-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ), die zuletzt eine „unerträgliche Doppelmoral“ im linken politischen Spektrum kritisiert hatte.
„Trennung ist ein Feigenblatt“
Auch die Trennung zwischen Israelkritik und Antisemitismus stellt Rosen grundsätzlich infrage:
„Wer glaubt, man könne Israel vom jüdischen Selbstverständnis trennen und gleichzeitig glaubwürdig gegen Antisemitismus auftreten, der kann lange warten.“
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