ATV-Umfrage: Ein Drittel sagt, die ÖVP steht für nichts Besonderes
Ein verwaschener Markenkern und klare Warnsignale: Eine neue Umfrage zeigt, wie schwammig das Profil der ÖVP wahrgenommen wird. Besonders brisant ist, dass ausgerechnet bei FPÖ-Wählern die Skepsis am größten ist.
Politische Standortbestimmung: Eine neue ATV-Umfrage rückt das Profil der ÖVP ins kritische Licht.APA/HANS KLAUS TECHT
Wofür steht die ÖVP eigentlich noch? Diese scheinbar einfache Frage bringt die Kanzlerpartei zunehmend in Erklärungsnot. Eine aktuelle Meinungsumfrage, die im Polit-Talk „Aktuell: Die Woche“ auf ATV und JOYN präsentiert wurde, legt offen: Für viele Wähler ist das Profil der Volkspartei unscharf geworden. Die Zahlen liefern Diskussionsstoff – und politisches Sprengmaterial.
Umfrage zeigt brüchiges ÖVP-Profil
Grundlage der Debatte ist eine Online-Umfrage von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag von ATV, durchgeführt unter 800 wahlberechtigten Österreichern zwischen 26. und 29. Jänner 2026. Gefragt wurde: „Wofür steht die ÖVP Ihrer Meinung nach derzeit am ehesten?“ (maximal zwei Nennungen).
Das Ergebnis: 30 Prozent sehen die ÖVP primär als Partei für „Wirtschaft, Unternehmen und Leistung“. Dahinter folgen „Tradition, Familie und ländlicher Raum“ mit 18 Prozent sowie „Europa, Außen- und Verteidigungspolitik“ mit 16 Prozent.
Jeweils 11 Prozent nennen „Sicherheit, Ordnung und Stabilität“ sowie „christlich-soziale Werte und gesellschaftlicher Zusammenhalt“. „Reformen und Erneuerung“ erreichen 6 Prozent, „Umwelt- und Klimaschutz“ sowie „Anderes“ jeweils 4 Prozent. 8 Prozent wissen es nicht oder machen keine Angabe.
Der auffälligste Wert: 32 Prozent der Befragten sagen, die ÖVP stehe „für nichts davon besonders“.
FPÖ-Wähler besonders kritisch
Ein Blick auf die einzelnen Wählergruppen verschärft das Bild. Zwar sehen ÖVP-Wähler ihre Partei vor allem bei den Themen „Wirtschaft, Unternehmen und Leistung“ (47 Prozent), „Europa, Außen- und Verteidigungspolitik“ (29 Prozent) sowie „Sicherheit, Ordnung und Stabilität“ (26 Prozent) stark.
Doch gerade außerhalb der eigenen Kernwählerschaft wird es problematisch. Den höchsten Wert bei der Aussage, die ÖVP stehe für nichts Besonderes, liefern mit 52 Prozent die FPÖ-Wähler. Bei SPÖ-Wählern liegt dieser Wert bei 16 Prozent, bei NEOS-Wählern bei 17 Prozent und bei Grün-Wählern bei 21 Prozent.
Auffällig ist, dass auch für SPÖ-, Grün- und FPÖ-Wähler die ÖVP am stärksten für „Wirtschaft, Unternehmen und Leistung“ steht. NEOS-Wähler nennen hingegen „Tradition, Familie und ländlicher Raum“ als ÖVP-Kernkompetenz.
Hajek warnt vor langfristigem Problem
Der Meinungsforscher Peter Hajek findet dafür klare Worte: „Die ÖVP hat noch einen verbliebenen Markenkern, jedoch hat dieser in den letzten Jahren Schaden erlitten. Dass die ÖVP für 32 Prozent der Befragten für nichts Besonderes mehr steht, sollte die Partei nachdenklich stimmen. Problematisch ist für die ÖVP, dass jeder zweite FPÖ-Wähler dieser Meinung ist. Denn dort ist das Wählerpotenzial der Zukunft.“
Die Ergebnisse werden diesen Freitag um 22:30 Uhr im Polit-Talk „Aktuell: Die Woche“ bei ATV und im Stream auf JOYN diskutiert – mit Moderator Meinrad Knapp, Politikberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek. Klar ist schon jetzt: Die Umfrage liefert weniger Rückenwind als vielmehr eine Standortbestimmung, die der Kanzlerpartei zu denken geben dürfte.
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