Nach Angaben aus Sicherheitskreisen nutzt die Muslimbruderschaft studentische Organisationen, um islamistische Redner an Universitäten einzuladen. Diese Vorträge könnten – so die Befürchtung – extremistische Weltbilder fördern.

Die Muslimbruderschaft selbst beschreibt ihr Leitmotiv mit dem Satz: „Islam ist die Lösung“ – ein politisch-religiöses Programm, das langfristig auf Staaten unter Scharia-Recht abzielt.

Ein alter Streit – neu entfacht

Wie GB News berichtete, ist die Debatte nicht neu. Bereits 2014 hatte die britische Regierung eine umfassende Untersuchung zur Muslimbruderschaft in Auftrag gegeben. Anlass waren damals Warnungen aus den Emiraten.

Der Abschlussbericht von Sir John Jenkins, früherer britischer Botschafter in Saudi-Arabien, fiel differenziert aus: Die Überzeugungen der Muslimbruderschaft stünden im Widerspruch zu britischen Werten, für ein Verbot gebe es jedoch nicht genügend Beweise.

An dieser Linie hält London bislang fest. Die Regierung von Premierminister Keir Starmer erklärte im vergangenen Jahr, die Organisation stehe weiterhin unter „enger Beobachtung“. Ein Verbot? Bislang Fehlanzeige.

Zahlen, die aufhorchen lassen

Gleichzeitig wachsen die Sorgen. Offizielle Zahlen zeigen: Im Studienjahr 2023/24 wurden 70 Studierende wegen möglicher islamistischer Radikalisierung an das Prevent-Deradikalisierungsprogramm gemeldet. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor – bei einer Gesamtstudierendenzahl von rund drei Millionen.

Emirate ziehen Konsequenzen

Im Juni veröffentlichte das Bildungsministerium der VAE eine neue Liste anerkannter ausländischer Universitäten. Darauf vertreten: Hochschulen aus den USA, Australien, Frankreich und Israel. Britische Universitäten fehlten vollständig.

Als britische Stellen nachfragten, ob es sich um ein Versehen handle, kam die klare Antwort: Nein. Die Streichung war beabsichtigt.

Ein Insider erklärte gegenüber The Times: „Sie wollen nicht, dass ihre Kinder auf dem Campus radikalisiert werden.“

Die Folgen sind spürbar. Im Jahr bis September 2025 erhielten nur noch 213 Studierende aus den Emiraten ein britisches Studienvisum – 27 Prozent weniger als im Vorjahr und 55 Prozent weniger als 2022.

Noch drastischer: Abu Dhabi kündigte an, Abschlüsse von nicht gelisteten Universitäten künftig nicht mehr anzuerkennen. Für britische Hochschulen bedeutet das einen massiven Image- und Attraktivitätsverlust.

Harte Linie gegen Islamismus

Die Emirate verfolgen seit den arabischen Aufständen von 2011 eine kompromisslose Politik gegen islamistische Bewegungen. Unter Präsident Scheich Mohammed bin Zayed al-Nahyan drängt Abu Dhabi London seit Jahren, die Muslimbruderschaft als terroristische Organisation einzustufen.

Die USA haben zwar einzelne Ableger und Personen der Bewegung als Terroristen gelistet, die Organisation insgesamt jedoch nicht verboten.

Europa zieht nach

Auch anderswo wächst der politische Druck. In Frankreich ordnete Präsident Emmanuel Macron im Mai vergangenen Jahres Maßnahmen an, um den Einfluss des politischen Islam einzudämmen.

In Großbritannien nutzt die Opposition das Thema. Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK, kündigte bei einer Parteikonferenz in Birmingham an, die Muslimbruderschaft im Falle eines Wahlsiegs zu verbieten.

Er sagte: „Warum wir – sowohl Konservative als auch Labour – in dieser Frage so feige waren, weiß ich nicht.“ Und weiter: „Überall im Nahen Osten ist die Muslimbruderschaft verboten. Wir werden genau dasselbe tun.“