Brüssel greift wieder einmal tief in den Alltag der Konsumenten ein. Eine neue EU-Verpackungsverordnung soll Müllberge reduzieren und die Kreislaufwirtschaft stärken – mit weitreichenden Folgen für Lebensmittelhersteller. Wie Der Standard berichtet, sind davon sogar österreichische Kultprodukte betroffen: Die Verpackung der beliebten Knabbernossi-Würstchen oder der legendären Manner-Schnitten könnte künftig nicht mehr zulässig sein. Die Industrie arbeitet nun unter Hochdruck an Alternativen, doch viele sehen ihre Produkte und Marken massiv unter Druck.

Kultverpackungen geraten ins Visier

Die Knabbernossi gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Snackprodukten für Kinder. Die Österreicher essen rund 46 Millionen Brühwürstchen pro Jahr, der Umsatz liegt bei 29 Millionen Euro. Die Würstchen sind bis zu 180 Tage ungekühlt haltbar, was einen entscheidenden Vorteil des Produkts darstellt.

Doch genau hier beginnt auch das Problem: Die Verpackung besteht aus mehreren Kunststoff- und Aluminiumschichten, die Sauerstoff, Licht und Wasserdampf fernhalten. Diese Kombination erschwert das Recycling und entspricht somit nicht den neuen EU-Regeln.

Andreas Nentwich, Geschäftsführer von Maresi Austria, sieht darin eine massive Bedrohung für das Produkt. „Die EU ruiniert Geschäft und Marken. Müssen wir uns das wirklich gefallen lassen?”, sagt er.
Für ihn ist die aktuelle Verpackung praktisch alternativlos: „Es gibt keinen Ersatz mit den gleichen Eigenschaften. Gäbe es eine Lösung, hätten wir sie längst umgesetzt.“

Auch bei einem anderen österreichischen Klassiker wird bereits fieberhaft nach einer Lösung gesucht: den Manner-Schnitten. Die bekannte rosa Verpackung mit dem roten Aufreißfaden und der Mischung aus Papier und Aluminium ist seit über einem Jahrhundert Teil der Marke.

Industrie warnt vor großen Folgen

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ist bereits im vergangenen Jahr in Kraft getreten. Ab August wird sie verbindlich und ab 2030 sollen ihre Auswirkungen für Konsumenten deutlich sichtbar werden. Das Ziel besteht darin, Müll zu reduzieren und Verpackungen besser recycelbar zu machen. Viele Einwegverpackungen aus Plastik sollen verschwinden und Kunststoff muss künftig teilweise aus recyceltem Material bestehen.

Für die Industrie bedeutet das enorme Umstellungen. Günter Thumser, Präsident des Markenartikelverbands, sieht sogar Kultprodukte in Gefahr: „Die EU schädigt aktiv Wirtschaftstreibende.“

Auch Molkereien stehen vor Herausforderungen. Die klassische Butterfolie, eine Kombination aus Aluminium, Kunststoff und Wachspapier, könnte künftig ebenfalls problematisch sein, da sie sich nur schwer recyceln lässt.

Experten gehen jedoch davon aus, dass neue Materialien ähnliche Eigenschaften erreichen könnten. Allerdings wären dafür neue Verpackungsanlagen, hohe Investitionen und lange Vorlaufzeiten nötig.
Gleichzeitig bleibt offen, wie einzelne Regeln konkret umgesetzt werden. Selbst die EU-Kommission hat laut Experten viele Details noch nicht endgültig geklärt.