„Ich werde es nicht zulassen, dass die Wirtschaftskammer da auf Stur schaltet.“ Mit dieser Kampfansage hat SPÖ-Chef Andreas Babler in einem Instagram-Video die Debatte um die EU-Lohntransparenzrichtlinie neu angeheizt. Frauen würden in Österreich noch immer „17,6 Prozent weniger verdienen für die gleiche Hackn wie Männer“, behauptet Babler. Die Sozialdemokratie werde die neuen Transparenzregeln „mit aller Kraft“ durchsetzen, kündigt er an. Gleichzeitig stellt er sich demonstrativ hinter Sozialministerin Korinna Schumann, die mit einem neuen Gesetzesentwurf Druck auf Unternehmen macht.
Für Österreichs Betriebe könnte das teuer werden. Der Entwurf sieht weitreichende Auskunfts- und Offenlegungspflichten vor. Arbeitnehmer sollen Informationen über die Bezahlung von Kollegen erhalten können, Unternehmen müssen ihre Gehaltssysteme detailliert begründen. Bei wiederholten Verstößen drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 60.000 Euro. Selbst kleinere Betriebe wären von den neuen Vorgaben betroffen.
Universitäts-Professor spricht Klartext
Auch Arbeitsrechtler und Universitäts-Professor Wolfgang Mazal sieht im exxpress-Interview die Diskussion deutlich differenzierter. Einkommensunterschiede seien oft das Ergebnis unterschiedlicher Erwerbsbiografien und kollektivvertraglicher Strukturen. Besonders kritisch beurteilt der Universitätsprofessor die Auswirkungen der EU-Vorgaben auf das österreichische Kollektivvertragssystem.
Die Richtlinie orientiere sich am Prinzip „gleiche oder gleichwertige Arbeit“, während hierzulande traditionell die jeweilige Branche über die Entlohnung entscheide. Die neuen Transparenzregeln könnten daher die bestehende Branchenlogik unter Druck setzen und tiefgreifende Veränderungen im Entgeltsystem auslösen. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Zu behaupten, die Umsetzung sei in Österreich problemlos möglich, könne man nicht – „wenn man seriös ist“.

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