Die SPÖ stellt ihre diesjährige Sommertour unter das Motto „Ordnen statt spalten“. Bei zahlreichen Terminen „vom Neusiedlersee bis zum Bodensee” gibt man sich betont bodenständig. „Ich bin ein Vizekanzler, den man angreifen kann”, betonte Parteichef Andreas Babler bei der Präsentation am Dienstag. Nicht kontaktscheu seien auch die anderen Mitglieder des roten Regierungsteams.
Babler und Co. wollen sich unters Volk mischen
Die Vertreter der Bundesregierung werden dabei nicht „geschlossen als Block” auftreten, sondern sich alleine oder zu zweit unter die Leute mischen, etwa am Donauinselfest, beim Sommerfest Korneuburg oder beim Poolbarfestival in Feldkirch. Treffen will man Funktionäre, Parteimitglieder oder Sympathisanten auch „im Wirtshaus oder im Vereinsheim”, das Setting ist dabei einfach. „Zehn Minuten Input“, beispielsweise, was die Anwesenden zur Pensionsdebatte sagen, danach will man den Gekommenen zuhören.

Geplant sind anscheinend zwei Formate: Einerseits wollen sich SPÖ-Regierungsmitglieder unters Volk mischen. Bei Babler klingt das so: „Wir gehen dorthin ganz bewusst in einen bunten Mix, dort, wo Menschen in ihren Realitäten auch während des Sommers sind“. Das wird zum Beispiel beim sechswöchigen Poolbarfestival in Feldkirch, einem internationalen Popmusik-Festival, sein. Andererseits gibt es „SPÖ im Dialog“-Abende an öffentlichen Plätzen, bei denen Menschen Fragen stellen können.
Ins Burgenland traut sich nur Eva-Maria Holzleitner
Ins Burgenland, dem Bundesland von Bablers ehemaligen Erz-Rivale Hans Peter Doskozil, traut sich der Vizekanzler anscheinend nicht. Lediglich Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner wird dem östlichsten Bundesland Ende Juli im Rahmen der SPÖ-Frauen-Sommertour einen Besuch abstatten.
Babler überzeugt nicht einmal bei den eigenen Wählern
Andreas Babler braucht diese Sommertour ganz dringend, denn: Die Zahlen für ihn und eine Partei schauen nicht rosig aus. Für die Sozialdemokraten setzt es in der aktuellen Unique-Research-Umfrage einen herben Dämpfer: Die Partei fällt auf nur noch 18 Prozent zurück und liegt damit laut Heute sogar unter ihrem ohnehin mageren Ergebnis (21,1 Prozent) bei der Nationalratswahl 2024. Besonders bitter für die Roten ist dabei ein zweiter Befund: Parteichef Andreas Babler kann offenbar nicht einmal die eigene Anhängerschaft restlos überzeugen. In einer fiktiven Kanzler-Direktwahl würde ihn nur 45 Prozent der eigenen Wähler wählen. Zum Vergleich: 82 Prozent der FPÖ-Wähler würden Kickl direkt zum Regierungschef machen; bei Christian Stocker liegt der Wert bei 76 Prozent.

Die schlechten Umfragewerte haben sicherlich mit Bablers politischen Vorstößen der letzten Monate zu tun: die geplante Streaming-Abgabe von 12 Prozent für Streaming-Dienste erhitzte die Gemüter. Auch das kürzlich von der Bundesregierung beschlossene „Sparbudget“ sorgt für Unmut und steht unter massiver Kritik, zuletzt von der Österreichischen Nationalbank. Hinzukommen seine nett klingenden, aber illusorischen und weltfremden Ideen, wie die 32-Stunden-Woche oder die Einführung einer Vermögenssteuer. Ob die SPÖ-Sommertour etwas gegen die negative Stimmung im Land gegen Babler ausrichten kann?
Seitenhieb gegen FPÖ fehlt nicht
Bei der Präsentation der Tour im Wiener Filmquartier gab man sich bewusst volksnah. „Es geht nicht um die da oben gegen die da unten”, meinte Babler etwa, der versprach: „Wir kommen nicht mit der Hochglanzkulisse, kommen nicht mit vorgefertigten Antworten.“ Man werde „reden, aber noch viel wichtiger, wir werden zuhören.“ Gewählt habe man das Motto, da viele Menschen versuchen würden, „Ordnung in ihren Alltag zu bringen“ eine „Politik erleben, die Lärm produziert und Jung gegen Alt, Stadt gegen Land, Arbeitnehmer*innen gegen Pensionist*innen ausspielt.“
Ein Seitenhieb gegen die FPÖ durfte bei der Präsentation nicht fehlen – natürlich ohne die Partei explizit zu benennen: „Wir sehen auch, dass andere politische Kräfte ein ganz anderes Angebot machen. Sie leben davon, dass Menschen wütend bleiben, sie leben davon, dass Probleme groß bleiben, sie leben davon, dass Gruppen untereinander ausgespielt werden“, verkündete Babler.

Kommentare
Lädt Kommentare...