Kurz vor dem Bundesparteitag der SPÖ, bei dem Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler am Samstag zur Wiederwahl antritt, gehen die Meinungen innerhalb der Tiroler SPÖ auseinander. Während manche Funktionäre ihm Unterstützung zusichern, äußern andere widerum Kritik, so die Tiroler Tageszeitung.

Der langjährige Bürgermeister von Oberndorf bei Kitzbühel, Hans Schweigkofler, spricht von einem „Dilemma“. Persönlich schätze er Babler sehr: „Ich habe ihn als Bürgermeister sehr geschätzt und bewundere seine Standfestigkeit.“ Auch das von Babler zusammengestellte Regierungsteam bezeichnet er als hervorragend. Gleichzeitig ortet er aber ein Problem bei der öffentlichen Wahrnehmung: „Babler kommt leider nicht gut an und hat keine Außenwirkung.“

Hans Schweigkofler (SPÖ)Screenshot/Parlament

Trotzdem hält Schweigkofler wenig von der öffentlichen Kritik am Parteichef. Dass Babler medial ständig „schlechtgemacht“ werde, habe er nicht verdient. Sollte die SPÖ jedoch weiter an Zustimmung verlieren, glaubt der Kommunalpolitiker, dass Babler selbst Konsequenzen ziehen könnte.

Bilanz nach einem Jahr SPÖ in der Regierung:

Rückendeckung erhält der Parteivorsitzende hingegen von Tirols ÖGB-Chefin Sonja Föger-Kalchschmied. Sie stellt sich entschieden hinter Babler und kritisiert personenbezogene Debatten. Der SPÖ-Chef sei „ein bürgernaher Mensch“, der für mehr Fairness im Land stehe. Das parteiinterne „Parteichefmobbing“ müsse endlich aufhören.

Tirols SPÖ-Chef und Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth ruft ebenfalls zur Geschlossenheit auf. Entscheidend sei, dass die Partei ihre interne Selbstbeschäftigung beendet und gemeinsam an einem Strang zieht, um die Sozialdemokratie wieder zu stärken.

Parteitag im Schatten der Kern-Debatte: Bablers Rückhalt bröckelt sogar bei eigenen Wählern

Beim Parteitag stellt die SPÖ alle personellen Weichen. Besonders brisant: Nachdem Ex-Kanzler Christian Kern auf eine Kandidatur verzichtet hat, tritt Andreas Babler als einziger Bewerber um den Parteivorsitz an – und sein Ergebnis wird genau beäugt: 2023 wurde er mit 88,8 Prozent gewählt, diese Marke gilt nun als Messlatte.

Doch ausgerechnet im Vorfeld kommt die Partei nicht aus den internen Turbulenzen heraus. Die wochenlange Debatte um eine mögliche Kern-Kandidatur wirkt nach – und auch die schwachen Umfragewerte halten die Stimmung angespannt. Wie exxpress berichtete, kommt Babler laut einer INSA-Erhebung selbst bei den eigenen Wählern nur auf 43 Prozent Zustimmung in einer hypothetischen Kanzler-Direktwahl: Nicht einmal jeder zweite SPÖ-Wähler würde ihn demnach direkt unterstützen.