Personalbeben im Wiener Marktamt: Andreas Kutheil ist nicht länger Leiter der MA 59. Wie die Magistratsdirektion am Donnerstagnachmittag bekannt gab, habe Kutheil selbst darum ersucht, „aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung“ von seiner Funktion enthoben zu werden.
Bis auf Weiteres übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Christian Seiringer die Abteilungsleitung. Ob Kutheil auch aus dem Dienst der Stadt Wien ausscheidet, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Bekannt gegeben wurde ausschließlich sein Rückzug von der Leitungsfunktion.
Rücktritt mitten in laufenden Prüfungen
Der Schritt erfolgt mitten in einer schweren Affäre um die Führung des Marktamtes. Zahlreiche Mitarbeiter werfen Kutheil unter anderem Mobbing sowie rassistische und sexistische Äußerungen vor. Die Anschuldigungen werden derzeit von der Magistratsdirektion geprüft.
Kutheil hat die Vorwürfe bislang nicht öffentlich im Detail beantwortet. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Die Stadt betont nun, dass ihre laufenden Erhebungen ungeachtet des Führungswechsels fortgesetzt werden. Man werde sämtlichen vorliegenden Informationen, Hinweisen und Vorwürfen nachgehen. Die Ergebnisse seien abzuwarten.
Einen direkten Zusammenhang zwischen Kutheils Rückzug und den Anschuldigungen stellt die Magistratsdirektion allerdings nicht her. Offiziell werden ausschließlich „persönliche Gründe“ genannt.
Mobbing Skandal Bei Stadt Wien Jetzt Auch Marktamt Vize Im Visier
Vorwürfe erschüttern die MA 59
Die Affäre war durch Berichte über das Betriebsklima im Marktamt ins Rollen gekommen. Mitarbeiter schilderten Beschimpfungen, Demütigungen und ein „Klima der Angst“. Auch schwerwiegende Vorwürfe wegen rassistischer und sexistischer Aussagen stehen im Raum.
Nach Angaben von anonymen Hinweisgebern wandten sich rund 20 Beschäftigte an die unabhängige Bedienstetenschutzstelle der Stadt. Die Magistratsdirektion leitete daraufhin interne Erhebungen ein.
In weiteren anonymen Schreiben wurden auch Marktamt-Vize Alexander Hengl und die Zahlenkommunikation der MA 59 belastet. Diese zusätzlichen Anschuldigungen sind bislang ebenfalls nicht unabhängig bestätigt.
Stadt verhängt Kommunikationsstopp
Bemerkenswert ist nicht nur der sofortige Rückzug Kutheils, sondern auch die abschließende Mitteilung der Magistratsdirektion: „Die Magistratsdirektion der Stadt Wien wird in dieser Causa bis auf Weiteres keine Stellungnahmen abgeben.“
Damit zieht die Stadt vorerst einen öffentlichen Schlussstrich unter weitere Auskünfte – obwohl zahlreiche zentrale Fragen noch offen sind.
Ungeklärt bleibt etwa, wann die ersten Beschwerden gegen Kutheil eingingen, welche konkreten Sachverhalte geprüft werden und ob bereits disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet wurden.
Auch die Frage, weshalb Kutheil während der laufenden Erhebungen nicht vorläufig von seinen Aufgaben entbunden worden war, beantwortete die Stadt bislang nicht.
Kurz zuvor hatte der exxpress der Stadt konkrete Fragen zu einem zugespielten Rechenblatt aus der MA 59 übermittelt. Auch diese blieben unbeantwortet. Das Dokument wirft Fragen zur offiziell veröffentlichten Besucherzahl der „Langen Nacht der Wiener Märkte“ auf. eXXpress berichtet darüber gesondert.
Neuer Chef, alte Fragen
Mit Christian Seiringer erhält das Marktamt nun vorläufig eine neue Führung. Die Affäre ist damit jedoch nicht beendet.
Die Vorwürfe gegen Kutheil bleiben ebenso ungeklärt wie die Fragen zu möglichen Missständen innerhalb der MA 59. Die internen Prüfungen laufen weiter.
Fest steht nur: Der bisherige Marktamtsleiter gibt seine Funktion mit sofortiger Wirkung ab. Gleichzeitig kündigt die Stadt an, vorerst keine weiteren Auskünfte zu erteilen.

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