Die Debatte um ausländische Studenten an Österreichs Universitäten nimmt Fahrt auf. Nach der viel diskutierten Analyse der Agenda Austria meldet sich nun der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) zu Wort – und fordert eine Strategie für den Umgang mit Studenten aus Drittstaaten. „Wollen wir sie uns etwas kosten lassen oder wollen wir sie zahlen lassen?”, bringt FORWIT-Vorsitzender Thomas Henzinger die Kernfrage gegenüber der APA auf den Punkt.

Der Hintergrund: Die Zahl der Studenten aus dem Ausland steigt kontinuierlich und gleicht den Rückgang der österreichischen Studenten in etwa aus. Laut Daten der Statistik Austria wurden im Studienjahr 2024/25 an den öffentlichen Universitäten rund 31.000 ausländische, aber nur gut 20.000 österreichische Studienanfänger erstzugelassen – die Trendwende kam bereits 2021/22, seither wächst der Abstand jedes Jahr.

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„Wir bilden sie gratis aus und schicken sie dann wieder weg"

Henzinger kritisiert vor allem die Motivation der Universitäten: Diese würden die Auslandsstudenten oft heranziehen, um ihre Vorgaben in den Leistungsvereinbarungen zu erfüllen – etwa bei der Zahl prüfungsaktiver Studenten. Das sei „die vollkommen falsche Motivation”. Denn anders als EU-Bürger können Studenten aus Drittstaaten nach dem Abschluss oft gar nicht in Österreich bleiben. „Das heißt, wir bilden sie gratis aus und schicken sie dann wieder weg.”

Anders als bei Österreichern und EU-Bürgern könnte der Staat bei Drittstaaten-Studenten durchaus steuern, wen er ins Land holt – etwa gezielt in den MINT-Fächern: „Wir können hier sehr wohl selektieren.” Henzinger verweist zudem auf Länder, die von Drittstaaten-Studenten hohe Gebühren verlangen: „Das sind inzwischen oft die Cash Cows des Systems.” Das sei nicht unbedingt sein eigener Zugang, schränkt er ein. „Aber man muss darüber nachdenken. Was jedenfalls wenig Sinn macht, ist, dass wir diese Studierenden unselektiv mit österreichischem Steuergeld subventionieren und dann nicht einmal Anreize setzen, sie am heimischen Arbeitsmarkt zu halten.” Dazu kämen praktische Probleme – etwa die aufwendige Prüfung, ob ein Schulabschluss aus Vietnam maturaäquivalent ist, oder Titelnostrifizierungen.

„Das teure Geschenk der Steuerzahler"

Der Vorstoß fällt in eine aufgeheizte Debatte. Erst am Freitag hatte die Denkfabrik Agenda Austria unter dem Titel „Studieren in Österreich, arbeiten im Ausland: Das teure Geschenk der Steuerzahler” Alarm geschlagen: Ob die hier Ausgebildeten später auch hier arbeiten und Steuern zahlen, lasse sich mit den vorhandenen Daten kaum nachvollziehen. Agenda-Austria-Ökonomin Carmen Treml brachte laut „Heute” moderate Studiengebühren nach FH-Vorbild ins Spiel – 363,36 Euro pro Semester für In- und Ausländer. Zur Einordnung: Ein Medizin-Studienplatz kostet den Steuerzahler laut Agenda Austria rund 60.000 Euro pro Jahr.

Brisant wird die Frage durch das Sparpaket: Das Wissenschaftsministerium hat den Universitäten für 2028 bis 2030 eine Milliarde Euro weniger in Aussicht gestellt als in der laufenden Periode.