Brüssel greift durch: WhatsApp untersteht nun strenger Aufsicht
Die öffentliche „Channels“-Funktion von WhatsApp steht künftig unter verschärfter Beobachtung der EU. Damit signalisiert Brüssel: Wo Millionen Menschen erreicht werden, gelten andere Maßstäbe – auch in einem Messenger, der bislang eigentlich nur für die private Kommunikation bekannt war. Auf Mutterkonzern Meta kommen neue Pflichten zu
Die Entscheidung der Europäische Kommission markiert einen Wendepunkt. Erstmals wird ein Bestandteil von WhatsApp offiziell als „Very Large Online Platform“ eingestuft. Ausschlaggebend ist die Reichweite: Bestimmte Channels überschreiten inzwischen die Schwelle von 45 Mio. monatlich aktiven Nutzern innerhalb der EU – und fallen damit unter die strengsten Vorgaben des Digital Services Act (DSA).
Die neue Einstufung betrifft ausdrücklich nur öffentliche Channels. Klassische Chats und Broadcast-Listen, die Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, bleiben außen vor. Dennoch wirft die Entscheidung grundsätzliche Fragen auf: Wie weit darf Regulierung in Kommunikationsräume vordringen?
Für den Mutterkonzern Meta bedeutet das eine deutliche Ausweitung der Pflichten. Bis Mitte Mai 2026 müssen neue Anforderungen umgesetzt sein, darunter umfassende Risikoanalysen, intensivere Moderation sowie transparente Berichte über den Umgang mit problematischen Inhalten.
DSA als Blaupause für strengere Plattformkontrolle
Der Digital Services Act ist das zentrale Instrument der EU, um digitale Räume sicherer und transparenter zu machen. Er verpflichtet Plattformen zu klaren Meldewegen für illegale Inhalte, nachvollziehbaren Entscheidungen und besonderen Schutzmechanismen für Minderjährige. Für sehr große Plattformen, zu welchen nun auch WhatsApp Channels zählt, kommen zusätzliche Pflichten hinzu, etwa der Zugang für unabhängige Forschung oder detaillierte Risikoabschätzungen zu gesellschaftlichen Auswirkungen.
Diese Regeln betreffen längst nicht nur WhatsApp. Auch andere große Anbieter stehen im Fokus. Gegen TikTok sowie weitere Meta-Dienste laufen bereits Verfahren wegen möglicher Verstöße – mit Bußgeldern, die sich theoretisch auf bis zu sechs % des weltweiten Jahresumsatzes belaufen können.
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