Schockierende Zahlen aus Wiens Volksschulen: 50,9 Prozent der Schulanfänger gelten als „außerordentlich“, da sie dem Unterricht aufgrund fehlender Deutschkenntnisse nicht folgen können. Brisantes Detail: Fast 60 Prozent dieser Kinder sind in Österreich geboren und waren mehr als zwei Jahre im Kindergarten. Die ÖVP fordert deshalb einen radikalen Kurswechsel, berichtete die Krone.

Jeder zweite Schulanfänger ohne ausreichende Deutschkenntnisse

Die Zahlen lassen aufhorchen: Am 1. Oktober 2025 galten in Wiens öffentlichen Volksschulen 50,9 Prozent der Schulanfänger als außerordentliche Schüler. Das bedeutet, dass jedes zweite Kind dem Unterricht nicht folgen kann, weil ihm die Deutschkenntnisse fehlen. Noch im Jahr 2020 lag dieser Anteil bei 41 Prozent – innerhalb von fünf Jahren wurde somit die 50-Prozent-Marke überschritten.

Die Daten stammen aus Anfragebeantwortungen der zuständigen Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) sowie aus einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Zusammengetragen wurden sie über mehrere Jahre von ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß. Das daraus entstehende Bild wird von Jahr zu Jahr düsterer.

Mehrheit der Kinder ist hier geboren

Besonders brisant: Die meisten dieser Kinder sind keine Neuankömmlinge. Fast 60 Prozent der außerordentlichen Schulanfänger geben Österreich als Geburtsland an und rund ein Viertel besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft. Das oft genannte Argument vom „frisch zugewanderten Kind ohne Deutschkenntnisse“ greift somit zu kurz.

ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl bringt die Sorge auf den Punkt:„Wenn Kinder nicht ausreichend Deutsch können, haben sie im Bildungssystem weniger Chancen und sind die Mindestsicherungsbezieher von morgen.“

Kindergarten hilft oftmals nicht

Ein Blick in die Kindergärten verschärft das Bild noch weiter. Die meisten der betroffenen Kinder haben bereits mehr als zwei Jahre Kindergarten hinter sich. Dennoch kommen sie sprachlich nicht voran. Im Kindergartenjahr 2024/25 wurde bei mehr als 16.800 Kindern ein Deutschförderbedarf festgestellt. Rund ein Drittel von ihnen erhielt jedoch keine gezielte Sprachförderung durch entsprechende Fachkräfte.

Ein weiterer Vergleich zeigt, wie dramatisch die Situation in manchen Bezirken ist: In Margareten starten 76,6 Prozent der Kinder als außerordentliche Schüler. In Favoriten, Brigittenau oder Ottakring liegen die Quoten teils jenseits der 70 Prozent. Zierfuß rechnet vor: „In einer durchschnittlichen Klasse mit 22 Kindern verstehen oft nur fünf den Lehrer wirklich.“

ÖVP fordert radikalen Kurswechsel

Die Wiener Volkspartei verlangt nun umfassende Gegenmaßnahmen. Vorgeschlagen werden verpflichtende Sprachstandserhebungen für alle Kinder ab drei Jahren, eine verbindliche Kindergartenpflicht für Kinder mit Deutschförderbedarf und eine Ausweitung der Besuchszeit auf 30 Wochenstunden. Zudem fordert die ÖVP den Ausbau auf 1.000 Sprachförderkräfte, da aktuell rund ein Drittel der betroffenen Kinder keine gezielte Förderung erhält.

Weitere Forderungen betreffen strengere Qualitätskontrollen, die Kopplung der Förderung an messbare Ergebnisse, ausreichende Deutschkenntnisse beim gesamten Kindergartenpersonal und einen besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel. Zierfuß betont: „Jedes Kind, das hier geboren wird, muss vor dem Schuleintritt ausreichend Deutsch können – alles andere ist verantwortungslos.“

Die ÖVP hat dazu bereits eine Sondersitzung des Wiener Landtags verlangt. Die Warnung ist deutlich: „Wenn wir diesen Turnaround jetzt nicht schaffen, ist er irgendwann nicht mehr möglich.“