DCC Wendy Gunney, die die Taskforce gegen organisierte Einwanderungskriminalität führt, formuliert es drastisch: Die CTA werde „von kriminellen Banden als Hintereingangsroute ins Vereinigte Königreich ausgenutzt“. Ziel der Aktion sei es, die Grenzen „so robust wie möglich“ zu machen.

Razzia mit Technik: Gesichtserkennung in Holyhead

Wie Daily Mail berichtete, wurde drei Tage lang an mehreren Knotenpunkten kontrolliert, gesucht, abgeglichen – mit sichtbarer Präsenz und moderner Technik. Im walisischen Holyhead – einem der wichtigsten Fährterminals – wurden Passagiere mit Live-Gesichtserkennung gescannt. Das System glich Gesichter mit einer Datenbank bekannter Einwanderungsstraftäter ab.

Gunney setzt dabei auf Abschreckung durch Sichtbarkeit: „Eine sichtbare Präsenz an der Grenze ist eine gute Abschreckung – und wir haben auch Live-Gesichtserkennung eingesetzt.“

Während die Reisenden durch das Terminal gingen, liefen parallel Kontrollen im Schwerlastverkehr: Lkw wurden nach blinden Passagieren und Schmuggelware durchsucht. Zusätzlich gab es separate Prüfungen in der Nähe einer Schnellstraße außerhalb der Stadt.

„Nicht nur Migration“: Drogen, Schmuggel, Schwarzmarkt

Die Behörden machen klar: Es geht nicht ausschließlich um Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Die gleiche Route werde auch genutzt, um Drogen und Schwarzmarktware zu bewegen. Gunney warnt, die Bedrohungslage innerhalb der Common Travel Area steige „im Zusammenhang mit Elementen der organisierten Kriminalität“.

Und sie setzt einen Kontrapunkt zur üblichen Debatte: „Die Ankünfte mit kleinen Booten sind sehr sichtbar, und dort fließt sehr viel Arbeit hinein – aber unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass alle Eintrittspunkte ins Vereinigte Königreich geschützt sind.“

Ein zentrales Stichwort dabei: Erkenntnisse. „Die Taskforce war wirklich entscheidend, um die Informationslage deutlich zu verbessern“, sagt Gunney.

Wo kontrolliert wurde

Holyhead war nur ein Brennpunkt. Auch die Häfen von Loch Ryan (Schottland), Heysham (Lancashire) und Birkenhead (Merseyside) wurden während der Aktion mit Beamten „geflutet“. Mit im Boot: Immigration Enforcement, Border Force, der National Police Chiefs’ Council (NPCC) und mehrere Polizeikräfte.

Ein Detail zeigt, warum diese Route so heikel ist: Zwischen Großbritannien und Irland gibt es keine Passkontrollen. Reisende müssen zwar einen Lichtbildausweis mitführen, doch Kontrollen erfolgen in Form von Stichproben – genau das nutzen Kriminelle aus.

Festnahmen – und schnelle Konsequenzen

Unter den 32 Festgenommenen war ein Mann aus Lesotho. Er hatte keine gültige Einreiseberechtigung für das Vereinigte Königreich und wurde von irischen Behörden wegen eines Delikts häuslicher Gewalt gesucht. Zudem hatte er eine umfangreiche Vorstrafenbilanz in Irland. Er wurde umgehend nach Irland zurückgebracht und den dortigen Behörden übergeben.

Am Flughafen Birmingham griffen Beamte vier pakistanische Staatsangehörige auf, die aus Belfast eingereist waren. Sie hatten keine gültigen britischen Visa und alle noch offene Asylverfahren im Vereinigten Königreich. Weil sie ihre Meldeauflagen verletzt hatten, indem sie nach Nordirland reisten, wurden alle vier Asylanträge zurückgezogen.

Ben Thomas, regionaler Leiter von Immigration Enforcement, sprach von „schneller Gerechtigkeit“ für Einwanderungstäter, die die Common Travel Area ausnutzen.

Ein weiterer Fall: Nach einer Verkehrskontrolle auf der A55 in Nordwales wurde ein indischer Staatsangehöriger als Visa-Überzieher identifiziert, dessen Asylantrag bereits gescheitert war. Er stand zudem im Verdacht, illegal für ein Lieferunternehmen gearbeitet zu haben. Das Innenministerium erklärte, Abschiebemaßnahmen seien „im Gange“; das Unternehmen könnte eine Geldstrafe erhalten.

Kein neues Phänomen – aber erneut sichtbar

Dass diese Route missbraucht wird, ist nicht neu. Bereits 2024 wurden 14 Albaner entdeckt, die sich in einem Viehtransporter versteckt hatten, der von Nordirland auf das britische Festland gefahren war.

Hinzu kommen Fälle, in denen Menschen zwischen Großbritannien und Irland pendeln, um gleichzeitig in beiden Ländern Leistungen zu beziehen – ein weiteres Feld, in dem die offene Reiseregelung aus Sicht der Behörden missbraucht wird.

Streitpunkt Gesichtserkennung: Freiheit gegen Kontrolle

Der Einsatz von Live-Gesichtserkennung sorgt bei Bürgerrechtsaktivisten für scharfe Kritik. Sie sehen darin eine „erhebliche Ausweitung des Überwachungsstaats“.

Gunney hält dagegen. Die Technik sei „bewährt“. Und wer unschuldig sei und nicht auf einer bestehenden Beobachtungsliste stehe, habe „nichts zu befürchten“.

Politische Ansage: „Wir liefern weiter“

Auch politisch wird die Aktion als Teil einer härteren Linie präsentiert. Alex Norris, Minister für Grenzsicherheit und Asyl, sagte: „Wir liefern weiter im Kampf gegen jene, die versuchen, sich über unsere Grenzen lustig zu machen.“