Edeka verkauft „FCK AFD“-Kaffee – und bezieht Produkte von Antifa-Hersteller, der Tassen mit Tötungsaufrufen vertreibt
Der Kaffeehersteller„olivier caffè“ aus Wolfsburg vertreibt Kaffeetassen, auf denen der Slogan „AfDler töten“ prangt. Ausgerechnet jener Kaffeehersteller arbeitet eng mit Edeka zusammen. Wie Screenshots zeigen, die NIUS vorliegen, vertreibt Edeka Wollny im bayerischen Friedberg Kaffeepackungen und Tassen von „olivier caffè“, die mit „FCK AFD“ und „Kein Kaffee für Nazis“ beschriftet sind.
Tassen, die den Tod wünschen
Bei dem Slogan „AfDler töten“ handelt es sich um einen Claim, der auch immer wieder auf Antifa-Demos verbreitet wird – und auch in abgewandelter Form („Terf töten“) Verwendung findet. Die Aussage gilt als eine Art linke Dogwhistle, bei der strafrechtlich keine Konsequenzen drohen, weil man argumentieren kann, dass damit gemeint ist, dass AfD-Mitglieder selbst andere Menschen töten; insgeheim wird aber immer wieder klar, dass damit gemeint ist, dass man Rechten konkret Gewalt und den Tod wünscht.
Auch unter den Beiträgen von „olivier caffè“ auf Facebook zeigen sich User abgeschreckt. Dort heißt es: „Tatsächlich finde ich diese Tasse alles andere als gut“ oder „So Kacke ich AfDer finde, die Tasse finde ich uncool“. Andere User hingegen zeigen sich begeistert und schreiben: „Ich schlage vor, den Begriff ‚AfDullies‘ zu benutzen. Hat mehr Aussagekraft, finde ich.“
„We love it“
Genau jener Kaffeelieferant, „olivier caffè“, ist ein enger Geschäftspartner von Edeka. Am 18. Februar postete Edeka Wollny aus dem bayerischen Friedberg ein Paket, das ein von „olivier caffè“ versendetes Paket zeigt. Im Beitrag heißt es: „Liebe Kunden, wir haben euch gehört! Unter unseren Postings, zum Beispiel dem über ‚Müller Milch‘, wurde vielfach kommentiert, wir sollten gefälligst anbieten, was der Kunde verlangt. Haben wir getan! Et voilà, die Sonderbestellung für einen unserer Stammkunden ist soeben eingetroffen, und olivier caffè hat sogar noch ein paar Kaffeetassen gratis draufgelegt. Vielen Dank dafür. We love it.“
Zu sehen sind vier Pakete Kaffee, auf denen die Aufschrift „FCK AFD“ steht, und eine Tasse mit dem Aufdruck: „Kein Kaffee für Nazis“. Die Artikel finden sich auch im Online-Shop von „olivier caffè“.
Das überrascht insofern nicht, als dass der Edeka-Chef in Friedberg, Michael Wollny, sich auf sozialen Medien ebenfalls als Vollzeit-Antifaschist inszeniert. Auf seinem Facebook-Account finden sich mehrere Beiträge, die sich gegen Donald Trump, Friedrich Merz, die CDU und die AfD richten. Alice Weidel wird „faschistischer Lump“ genannt. Auf einem weiteren Account, „Der Wollny mit dem Supermarkt“, vertreibt der EDEKA-Chef nicht nur T-Shirts mit seinem Konterfei, sondern trommelt auch für das Selbstbestimmungsgesetz und solidarisiert sich mit Umweltaktivisten von „Just Stop Oil“, die immer wieder Museen oder Statuen angreifen. Dass Wollny und „olivier caffè“ zusammenarbeiten, ist angesichts der Deckungsgleichheit ihrer linken Weltbilder nachvollziehbar. Nach Informationen von NIUS verkauft Edeka Wollny in Bayern seit längerer Zeit Kaffee von „olivier caffè“ – also genau des Anbieters, der die „AfDler töten“-Tassen in seinem Shop vertrieben hat.
Das heißt: Edeka vertreibt zwar nicht direkt „Afdler töten“-Tassen, aber kooperiert eng mit dem Hersteller, der diese anderweitig produziert.
„Hier könnte ein Nazi hängen“
Und nicht nur das: Der Account von „olivier caffè“ kultiviert aber auch an anderer Stelle Tötungsfantasien gegenüber Rechten: In einem Facebook-Post, der nach dem Anschlag von Taleb al-Abdulmohsen auf einen Weihnachtsmarkt in Magdeburg verfasst wurde, heißt es etwa: „Wo sind jetzt eigentlich die ganzen AfD-Würstchen, die uns und allen anderen ‚Altparteienwählern‘ gestern, keine 5 Minuten nach dem Attentat, eine Mitschuld zugeschoben haben? Ziemlich ruhig geworden, seit bekannt ist, dass es mal wieder ein AfD-Sympathisant war, der Menschen getötet hat.“ Unter dem Beitrag ist ein Foto zu sehen, das ein Plakat von „Die Partei“ zeigt. Darauf zu lesen: „Hier könnte ein Nazi hängen.“
An anderer Stelle setzt „olivier caffè“ die neugegründete AfD-Jugend „Generation Deutschland“ mit der Hitlerjugend gleich. In Frakturschrift wird auf dem Profil die NSAfD bekämpft – in Anlehnung an das NS-Regime.
Nachdem der US-amerikanische Bürgerrechtler Charlie Kirk erschossen wurde, postete der Kaffeehersteller: „Wird jetzt Charlie Kirk in 3 Tagen eigentlich wieder auferstehen oder müssen wir bis Ostern warten?“
An anderer Stelle wiederum heißt es: „Die Antifa ist unser Grundgesetz“. Auf dem Instagram-Account des Herstellers finden sich Regenbogen-Zebrastreifen, Pro-Ukraine-Postings, Anti-AfD-Bekundungen und Antifa-Flaggen. Auch vor diesem Hintergrund ist die „AfDler töten“-Tasse ein bemerkenswerter Verkaufsgegenstand, der mit den Fans räsonieren dürfte. Erst jüngst pixelte „olivier caffè“, der Partner von Edeka Wollny, die „AfDler töten“-Aufschrift in Facebook-Beiträgen. Der Grund dafür ist unklar. Der Beitrag weist aber aus, dass die Tassen verkauft wurden – und inzwischen ausverkauft sind. Eine Anfrage dazu ließ „olivier caffè“ unbeantwortet.
Kreative Antwort: FCK RCHLT
Die politische Einstellung des Kaffeeherstellers „olivier caffè“ aus Wolfsburg und des Edeka-Betreibers aus Friedberg sollte dabei eigentlich Privatsache sein. Dennoch macht NIUS den Vorfall öffentlich, weil mehrere Einkäufer von der Positionierung schockiert sind, darin eine Grenzüberschreitung sehen und unzureichende Distanzierung von Gewalt beklagen. Auch ist der Vorgang der Zusammenarbeit des Supermarktes mit einem linksextremen Kaffee-Label, welches „AfDler töten“-Tassen vertreibt, auch deshalb Gegenstand öffentlicher Diskussion, weil es sich bei Edeka um den drittgrößten Supermarkt Deutschlands handelt – und die Kette erst vor den Landtagswahlen 2024 großen Ärger auf sich zog, nachdem sie einen Anti-AfD-Werbeclip produzierte, der die „Blauen“ ausschloss.
Eine Anfrage von NIUS beantwortete „olivier caffè“ auf seine Art und Weise – und postete eine Tasse mit „FCK RCHLT“, bezogen auf NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt. Interessanterweise änderte sich nach NIUS-Anfrage die Produktbeschreibung im Online-Shop: „AfDler töten.“→ Das ist ein Aussagesatz. → Er beschreibt einen Sachverhalt: dass es AfD-Anhänger gibt, die Menschen auf dem Gewissen haben. Ein belegtes Beispiel ist der Mord an Walter Lübcke, der von einem politisch radikalisierten AfD-Sympathisanten begangen wurde. „AfDler töten!“ → Das ist ein Imperativ.→ Eine Aufforderung zu Gewalt. Strafbar“, heißt es nun auf der Produktseite. Und weiterhin: „Diese Tasse gab es nie wirklich zu kaufen ;-)“ Zuvor gab es keine Produktbeschreibung.
Edeka Wollny ließ die Anfrage unbeantwortet. Die Zentrale von Edeka teilte NIUS hingegen mit: „Der EDEKA-Verbund ist genossenschaftlich organisiert und wird von rund 3.200 selbstständigen Kaufleuten getragen. Die Kaufleute sind selbstständige Unternehmer, die ihre Märkte und ihre Sortimente in eigener Verantwortung gestalten. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir daher hierzu keine direkte Stellung beziehen können.“
„Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“
Im Sommer 2024, kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen, löste der Supermarktriese Edeka mit einer Werbekampagne erhebliche Kontroversen aus, indem er sich indirekt gegen die AfD positionierte: In einer ganzseitigen Anzeige unter dem Titel „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ wurde erklärt, dass blaue Lebensmittel ein natürlicher Warnhinweis seien und ein „Feind gesunder Vielfalt“, was als klare Anspielung auf die Parteifarbe der AfD interpretiert wurde. Kunden wurden aufgefordert, für ein „verträgliches Miteinander“ zu sorgen. Die Kampagne stieß auf Kritik. Im Nachgang hieß es: „Es tut uns leid. Wir werden das intern aufarbeiten.“ Man betonte, das Unternehmen sei „für alle Kunden da“.
Ob die politische Parteinahme des Edeka-Marktes in Bayern fruchtet und Kunden überzeugt, bleibt fraglich, schließt sie doch einen relevanten Anteil von Kunden aus. In Friedberg, der Gemeinde von Edeka Wollny, wählten bei der Bundestagswahl rund 75 Prozent der Wähler CSU, AfD und Freie Wähler – und 3,4 Prozent die Linkspartei. Der antifaschistische Kaffeeimport wirkt also eher wie ein antikapitalistischer Versuch des Betreibers, Haltung statt Profit in das Sortiment des Supermarktes zu überführen.
Dieser Beitrag ist ursprünglich bei unserem Partner-Portal NiUS erschienen.
Kommentare