Die „New York Times“ steht nach dem Tod von Ayatollah Ali Khamenei massiv in der Kritik. Die US-Zeitung betitelte ihren Nachruf mit den Worten: „Ayatollah Ali Khamenei, Hard-Line Cleric Who Made Iran a Regional Power, Is Dead at 86“ – also etwa ein „Geistlicher Hardliner, der den Iran zu einer Regionalmacht machte“.

Zusätzlich beschrieb das Blatt Khamenei als „avuncular und magnanimous“, was sinngemäß mit „väterlich“ und „großmütig“ übersetzt werden kann. In dem Nachruf heißt es weiter, mit Brille, Palästinensertuch, langen Gewändern und silbernem Bart habe er sich als religiöser Gelehrter inszeniert und das Land über den täglichen politischen Streitigkeiten stehend geführt.

In sozialen Medien folgte umgehend heftiger Widerspruch. Mehrere Politiker und Kommentatoren warfen der Zeitung vor, einen autoritären Herrscher mitverantwortlich für die Tötung tausender Regimegegner sprachlich zu beschönigen. Tatsächlich erwähnt auch die „New York Times“ selbst, dass unter Khameneis Führung Proteste – etwa im Jänner sowie 2022 – blutig niedergeschlagen wurden.

Kritiker betonen, dass die positive Tonalität der Überschrift die Verantwortung des Regimes für Menschenrechtsverletzungen relativiere. Auch die „Washington Post“ geriet unter Druck, nachdem sie Khamenei als Mann mit „leichtem Lächeln“ beschrieben hatte.

NYT verteidigt sich auf X

Die „New York Times“ verteidigte sich auf der Plattform X: Nachrufe sollten das gesamte Leben einer Person abbilden und relevante Aspekte sachlich darstellen – nicht politisch zuspitzen. Die Debatte über journalistische Einordnung dürfte dennoch weitergehen.