Die Märkte haben sich etwas beruhigt. Für Europa ist das noch keine Entwarnung. Denn die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportachsen für Öl und Gas weltweit, funktioniert noch immer nicht normal. Erste Tanker fahren wieder. Viele andere warten. Die Passage bleibt heikel, militärisch abgesichert und politisch unsicher.
Für Europa bedeutet das: Öl und Gas bleiben anfällig für neue Preissprünge. Raffinerien, Airlines, Spediteure und Industrieunternehmen müssen weiter mit Unsicherheit kalkulieren. Die nächste Welle könnte nicht nur den Preis treffen, sondern die Versorgung selbst. Das ist die eigentliche Gefahr: nicht der einmalige Schock, sondern der anhaltende Druck auf Preise, Versorgung und Wirtschaft.
Iea Chef Schlaegt Alarm Schlimmer Als 1973 Oel Schock Trifft Jetzt Jeden
Die Warnsignale sind längst da
Die Folgen sind in Europa bereits sichtbar. In Frankreich gab es zuletzt Versorgungsprobleme an Tankstellen. In Irland mussten Behörden eingreifen, nachdem Blockaden zentrale Energie-Infrastruktur lahmgelegt hatten. Europas Flughäfen warnen vor Kerosinengpässen, sollte sich die Lage in Hormus nicht rasch und wirklich stabilisieren.
Das trifft nicht nur Urlaubsflieger. Wenn Kerosin knapp wird, geraten auch Flugpläne, Frachtverkehr und Lieferketten unter Druck. Wenn Treibstoffe teurer bleiben, steigen Transportkosten. Und wenn Transportkosten steigen, schlägt das früher oder später auf Preise im Alltag durch.
Experten warnen vor historischem Belastungstest
Der erste Schock ist also abgeflaut. Doch die Realwirtschaft reagiert nicht nur auf Schlagzeilen, sondern auf Realitäten: Was kommt durch? Was bleibt hängen? Wo fehlen Reserven?
IEA-Chef Fatih Birol spricht von einer Krise, die schwerer wiegt als die Energiekrisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen. Gerade deshalb ist es so brisant, dass die politische Reaktion aus Brüssel weiterhin seltsam blass wirkt.
Brüssel ohne Antworten
Angesichts dieser Entwicklung hat der Europäische Rat die Kommission bereits Mitte März aufgefordert, ohne Verzögerung konkrete Maßnahmen vorzulegen. Wochen später ist Brüssel noch immer nicht über Ankündigungen hinaus – obwohl der politische Auftrag längst da ist.
Beim Mittagsbriefing der Kommission vom 7. April wollten Journalisten erfahren, was Brüssel gegen konkrete Engpassrisiken zu tun gedenkt. Man müsse zunächst klären, welche Rolle die Kommission überhaupt habe, erklärte Sprecherin Anna-Kaisa Itkonen. Noch aufschlussreicher war, was danach kam. Das „Wichtigste“ sei jetzt, ein vollständiges Bild der Lage in den Mitgliedstaaten zu erhalten. Dabei sind die Risiken für Europa längst real – doch in Brüssel befindet man sich noch immer in einer Phase der Bestandsaufnahme.
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Genau dort fehlt der Durchblick, wo es kritisch wird
Besonders deutlich wurde das beim Thema Kerosin. Hier räumte die Kommission selbst ein, dass es sich weitgehend um private Lieferverträge handelt. Deshalb habe man keinen vollständigen Überblick.
Dafür hat die Kommission eine „Toolbox“ angekündigt, also ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Bürgern und Unternehmen. Wann kommt sie? Die Antwort aus Brüssel: Die Arbeit läuft. Einen Termin gibt es nicht.
Von der Leyen bleibt auffallend blass
Spätestens hier wird aus einem Verwaltungsproblem eine Führungsfrage – und an der Spitze steht Ursula von der Leyen. Und genau von ihr ist in dieser Krise bislang erstaunlich wenig zu hören. Keine klare öffentliche Linie. Kein sichtbarer Krisenmodus. Kein erkennbarer Fahrplan, wie Europa durch diese heikle Phase geführt werden soll.
Seit Wochen liefert Ursula von der Leyen keinen erkennbaren Plan. Kein Datum. Keine klaren Antworten.

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