In dem sonst so beschaulichen Nobelvorort Chappaqua nördlich von New York herrscht Ausnahmezustand. Straßensperren, patrouillierende SUVs und Regierungsfahrzeuge vor der Haustür: Zahlreiche Abgeordnete und Anwälte sind angereist, um Bill und Hillary Clinton im Fall Jeffrey Epstein zu befragen. Hunderte Male tauchen ihre Namen in den veröffentlichten Akten des Sexualstraftäters auf, der 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde. Seit einem halben Jahr drängt das von Republikanern geführte Repräsentantenhaus auf ein Verhör unter Eid. Nach juristischem Widerstand stimmten die Clintons schließlich zu – die Anhörung findet nun direkt vor ihrer eigenen Haustür statt.

Ausnahmezustand in Chappaqua

Die Einwohner von Chappaqua sind es gewohnt, prominente Nachbarn zu haben. Am Ende der Old House Lane wohnen die Clintons, die vom Secret Service bewacht werden. Doch diese Woche ist alles anders: Schon Tage zuvor hatten die Behörden vor Straßensperren und Verzögerungen gewarnt. Schwarze Ford-SUVs patrouillierten und acht Regierungsfahrzeuge standen vor dem Haus des Ex-Präsidenten bereit.

Hillary Clinton sollte am Donnerstag und Bill Clinton am Freitag aussagen. Viele Details waren bis zuletzt unklar. Fest steht: Das Verhör findet hinter verschlossenen Türen statt. Offiziell, um geheime Informationen zu schützen. Allerdings zeichnen Kameras mit, sodass Teile der Befragung später veröffentlicht werden könnten. Die Befragung wird von James Comer geleitet. Der republikanische Abgeordnete aus Kentucky ist Vorsitzender des zuständigen Ausschusses.

Hunderte Erwähnungen – aber kein Schuldeingeständnis

Die Namen der Clintons tauchen hunderte Male in den Epstein-Akten auf. Doch allein die Erwähnung ist kein Beweis für strafbare Handlungen.

Bill Clinton hat bereits eingeräumt, 2002 und 2003 mehrfach mit Epsteins Privatjet geflogen zu sein. In den Akten finden sich zudem mehrere Fotos, die ihn mit dem einst bestens vernetzten Finanzier zeigen. Hillary Clinton hingegen taucht überwiegend in Zeitungsartikeln auf, die Epstein während ihrer Präsidentschaftskandidaturen 2008 und 2016 verschickte. Sie betont, Epstein niemals getroffen zu haben.

Hillary wittert politische „Schmierkampagne“

Die Brisanz ist nicht zuletzt wegen Bill Clintons Vergangenheit enorm. Bereits 1992 wurde eine jahrelange Affäre publik und später erschütterte die Lewinsky-Affäre das Weiße Haus. Hillary stand ihrem Mann stets zur Seite – auch jetzt stärkt sie ihm im Zuge der Epstein-Affäre den Rücken.

Prominente geraten weiter unter Druck

Der Skandal zieht immer weitere Kreise. Larry Summers, von 1999 bis 2001 Finanzminister unter Clinton, ist diese Woche wegen seiner Verbindungen zu Epstein als Professor an der Harvard University zurückgetreten. In Großbritannien wurden der ehemalige Minister Peter Mandelson und Ex-Prinz Andrew zwischenzeitlich festgenommen, da sie verdächtigt werden, Regierungsgeheimnisse an Epstein weitergegeben zu haben.

In den USA entschuldigte sich Microsoft-Gründer Bill Gates öffentlich für seine Nähe zu Epstein sowie für mehrere außereheliche Affären. Immer mehr prominente Namen geraten in Bedrängnis.