Zehn Jahre nach der Flüchtlingskrise fordert Franz Schabhüttl eine umfassende und unabhängige Aufarbeitung der Ereignisse von 2015. Im exklusiven exxpress-Interview übt der ehemalige Leiter des Flüchtlingslagers Traiskirchen scharfe Kritik an der politischen Darstellung der damaligen Vorgänge – besonders an SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler.

Auslöser sei ein Presseinterview Bablers gewesen, in dem dieser laut Schabhüttl die Vergangenheit verzerrt dargestellt habe. Babler habe behauptet, es habe im Lager „Wiesen-Geburten“ gegeben. Schabhüttls Replik ist eindeutig: „Wir hatten keine einzige Wiesen-Geburt.“ Auch die Darstellung zur Überbelegung weist er zurück. Babler sprach von „bis zu 6.500 Menschen, die nicht mit dem Notwendigsten versorgt werden konnten“. Für Schabhüttl ist das „eine glatte Lüge“. Der belegte Höchststand habe bei „gezählte 4.740 Menschen“ gelegen.

Franz Schabhüttl bei exxpress-Herausgeberin Eva Schützexxpress/exxpress

„Babler hatte nie Kompetenzen“

Besonders scharf fällt seine Kritik an Bablers Rolle aus: „Er hatte nie etwas zu tun. Er hatte nie eine Kompetenz.“ Babler habe zudem von Zuständen gesprochen, die er gar nicht selbst gesehen haben könne: „Er hatte ja ein Zutrittsverbot, der war ja gar nicht drinnen.“

Schabhüttl warnt davor, dass „zehn Jahre später Menschen, die an den Schalthebeln sitzen, die Geschichte umschreiben“. Genau deshalb brauche es jetzt eine faktenbasierte Aufarbeitung. Sein Ziel sei klar: „Die Wahrheit ist den Bürgern zuzumuten.“