Erdoğans Sohn kommt nach Wien: Ramadanfeier mit Terroristen-Verehrer
Er droht Israel mit Krieg, verehrt Hamas-Terroristen – und feiert demnächst in Wien mit Austro-Türken den Ramadan: Bilal Erdoğan, Sohn und möglicher Nachfolger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.
Zu dem Mega-Event in der Royal Eventhalle in Wien-Liesing wird am 2. März wohl alles antanzen, was in der österreichischen Erdogan-Fangemeinde Rang und Namen hat. Denn die Union Internationaler Demokraten (UID), der Auslandsarm der türkischen Regierungspartei AKP, holt Top-Politprominenz aus der Türkei zu ihrem „Treffen im Segen des Ramadan”. Mit Bilal Erdoğan kommt der Mann, den sein 71-jähriger Vater immer offensichtlicher zum Nachfolger aufbaut. Begleitet wird der 44-Jährige vom stellvertretenden AKP-Vorsitzenden Zafer Sirakaya.
„Adler des Krieges"
Hatte Bilal früher vor allem als Geschäftsmann mit Korruptionsvorwürfen für Schlagzeilen gesorgt, so drängt er seit einiger Zeit verstärkt mit politischen Ansagen in die Öffentlichkeit. In der Auseinandersetzung zum Gaza-Krieg betäigte er sich ganz in Papas Sinn als anti-israelischer Einpeitscher. Erst zu Jahresbeginn hatte er als Beirat der Jugenstiftung TÜGVA vor einer halben Million Menschen auf der Istanbuler Galatabrücke Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu als „Hitler des 21. Jahrhunderts” bezeichnet und den Zionismus auf eine Stufe mit dem Nationalsozialismus gestellt. „Wir werden unseren Kampf fortsetzen, bis Gaza, Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee befreit sind“, sagte Bilal und unterstrich dies mit einer martialischen Drohung: „Unsere Nation … hat bis zum Ende danach gestrebt, die Taube des Friedens zu sein. Doch wenn die Situation es erfordert, … wird sie nicht zögern, der Adler des Krieges zu sein. Daran wollen wir die ganze Welt noch einmal erinnern.“
„Israels Nazismus"
Interessant ist die Erinnerung des Erdogan-Sprosses an den 7. Oktober 2023, den Tag des Hamas-Überfalles auf Israel: „Am 7. Oktober hat der israelische Nazismus eines der blutigsten Massaker der Geschichte begonnen”, hhatte Bilal in einer Neujahrsrede 2024 eine eigenartige Sicht des größten Massakers an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg offenbart. Bei der Gelegenheit meinte er auch, der Schritt seines Vaters, die (ursprünglich christliche Kirche) Hagia Sophia zu befreien, indem er sie 2020 in eine Moschee zurückverwandelte, sei nur der Anfang gewesen. „Wir wissen, dass das Sprengen der Fesseln der Hagia Sophia unter der Führung unseres Präsidenten der erste Schritt zur Freiheit für Jerusalem und Al-Aqsa war.”
„Märtyrer Haniye"
Wer dieses Ziel mit terroristischen Mitteln verfolgt, hat in Erdogans Augen Heldenstatus. So wie der Papa die islamistische Hamas als Befreiungsbewegung einstuft, würdigt der Filius Hamas-Terroristen als Märtyrer. Nach dem Tod des Hamas-Führers Ismail Haniye bei einer Mossad-Attacke in Teheran Anfang August 2024 rief Bilal zu einer Demonstration gegen Israel auf. Er schloss sich damit, so Erdoğan junior, „dem letzten Aufruf unseres Märtyrers” (Haniye, Anm.) an, der unmittelbar vor seinem Ende „die gesamte islamische Welt” für Anti-Israel-Demonstrationen mobilisiert hatte. Mit dem Terror-Boss verband Bilal nicht bloß eine Fernbeziehung. Ein Besuch bei Haniye im katarischen Hamas-Hauptquartier in Doha im Jahr 2016 wurde auf Video dokumentiert.
Willkommen in Wien!?
Mit Blick auf die von der Bundesregierung ausgerufene Null-Toleranz-Strategie gegenüber Extremismus sollte es sich für österreichische Vereine eigentlich verbieten, derart extremistische Positionen vertretende Personen nach Wien einzuladen, noch dazu im Ramadan, den muslimische Organisationen gern als Fest des Friedens preisen. Mit dem Sohn und möglicherweise sogar Nachfolger des türkischen Staatschefs wird sich die heimische Politik aber kaum anlegen.
Auch nicht mit dem stellvertretenden AKP-Chef Zafer Sirakaya, der in Österreich ohnehin quasi Dauergast ist und nicht einmal Kritik erntet, wenn er – wie im vergangenen Oktober geschehen – die Vorarlberger Dependance der „Grauen Wölfe” aufsucht. Dort hatte er unter einem Porträt von Alparslan Türkes referiert. Der Gründer der rechtsextremen, mit Erdogans AKP koalierenden MHP und der nationalistisch-islamischen Ülkücü-Bewegung (= „Graue Wölfe”) war im Zweiten Weltkrieg Hitlers Kontaktmann in der Türkei. Seine Reden garnierte er gern mit Zitaten aus „Mein Kampf”. Nichtsdestotrotz hängen seine Porträts in den Vereinslokalen der Avusturya Türk Federasyon (ATF), dem Österreich-Ableger der MHP.
UID für starke Türkei
Sirakaya ist fest verankert im Veranstaltungskalender der UID, die eine zentrale Rolle als AKP-Auslandspropagandist spielt. Sowohl in Österreich, als auch in anderen Ländern mit türkischen Communitys, die von Sirakaya und anderen AKP-Granden in Dauerschleife besucht werden.
Obwohl die UID nicht als AKP-Vorfeldorganisation, sondern laut Eigendefinition als Organisation zur „Förderung des Verständnisses und des Friedens zwischen verschiedenen Kulturen und Gemeinschaften” gesehen werden will, belegen ihre Einträge in Sozialen Medien und die Referentenlisten ihrer Seminare die enge Verbundenheit mit der AKP sowie das Forcieren konservativ-islamischer Werte. Erdoğan-Gegner, die es auch in Österreich gibt und die sich durchaus kritisch über die UID äußern, sind dort nicht erwünscht. Ebenso wenig zu beobachten sind Integrationsbemühungen im Sinne eines Austausches der ausschließlich von türkischstämmigen Personen getragenen UID mit Repräsentanten der autochthonen Bevölkerung. Der Vorsitzende der UID Wien, Mahmut Koc, präsentiert sich auf Facebook mit einem Profilbild, das ihn mit Staats- und Parteichef Erdoğan zeigt. Über dem Bild verrät ein Satz, worum es wirklich geht: „Die globale Vision der UID: eine starke Türkei.”
Man darf gespannt sein, welche austro-türkischen Promis dem als Präsident der einflussreichen der Ilim-Yayma-Bildungsstiftung eingeladenen Erdoğan-Sohn in der Liesinger Eventhalle ihre Aufwartung machen werden. Erst im vergangenen Dezember waren dort beim Hochzeitsfest der Koc-Tochter, zu dem Erdoğan ein Blumenbukett hatte schicken lassen, viele Honoratioren aus Politik und Muslim-Gesellschaft gesichtet worden. Neben dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), Ümit Vural, hatte sich auch die Wiener SPÖ-Landtagsabgeordnete Aslihan Bozatemur – Bürgermeister Michael Ludwigs Querverbinderin zur türkischstämmigen Wählerschaft – das UID-Event nicht entgehen lassen wollen. Auch der ehemalige IGGÖ-Präsident Fuat Sanac war gekommen, obwohl die IGGÖ stets beteuert, mit türkischer Politik nichts am Hut zu haben.
Auch EU-Geld fließt
Nicht nur die UID treibt die Erdoğan-Agenda in Europa voran, auch die EU hilft fleißig mit: Die Türkiye Gençlik Vakfı (TÜGVA), in deren Vorstand Bilal Erdoğan sitzt, hat in der Vergangenheit Hunderttausende Euro an EU-Fördermittel – vor allem im Rahmen von EU-Programmen wie Erasmus+ und dem Europäischen Solidaritätskorps. TÜGVA hat sich zwischen 2020 über 2024 rund 700.000 Euro an Erasmus-Mitteln für 16 Projekte gesichert, wie die türkische Online-Plattform Birgün, eines der wenigen verbliebenen Oppositionsmedien, kürzlich berichtete. Im vergangenen August erhielt TÜGVA noch einmal 187.350 Euro aus dem ERASMUS-Topf. Ebenfalls EU-Steuergeld regnete es auf die Dünya Etnospor Konfederasyonu (DEK, zu Deutsch etwa: Welt-Ethnosport Konföderation): 554.058 Euro waren es zwischen 2014 und 2024 laut der Beantwortung einer Anfrage des EU-Abgeordneten Moritz Körner (FDP) an die EU-Kommission. Präsident der DEK ist: Bilal Erdoğan. Der Multifunktionär sitzt auch im Vorstand der Türkiye Gençlik ve Eğitime Hizmet Vakfı (Stiftung für Jugend- und Bildungsdienste der Türkei), die von der EU mit 773.000 Euro bedacht worden ist. Insgesamt haben dem Erdoğan-Regime nahestehende Organisationen laut Bilanz der EU-Kommission seit 2014 mit mehr als vier Millionen Euro erhalten. „Während sich eine Abteilung der EU‑Kommission für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzt, finanziert eine andere Erdoğan‑Propaganda, Verleumdungen gegen Erdoğan‑Kritiker und Prestigeprojekte”, echauffierte sich MEP Körner und forderte: „Das muss ein Ende haben. … Alle Geldflüsse an Erdogans Günstlinge müssen eingestellt werden.“ Bislang ist nicht bekannt, dass die EU-Kommission an die besagten Organisationen geflossene Gelder zurückgefordert bzw. einen Förderstopp verfügt hat.
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