Shabana Mahmood rückt in Westminster in eine Rolle, die bis vor Kurzem als unwahrscheinlich galt. In internen Kalkülen und Medienberichten taucht sie zunehmend als mögliche Nachfolgerin von Premier Keir Starmer auf. Sollte es dazu kommen, wäre sie die erste muslimische Premierministerin Großbritanniens.

Rasanter Aufstieg

Die Juristin Shabana Mahmood, Jahrgang 1980, sitzt seit 2010 für Birmingham Ladywood im britischen Unterhaus. Sie stammt aus einer pakistanischstämmigen Familie, wuchs zeitweise in Saudi-Arabien auf und ist praktizierende Muslimin. Unter Keir Starmer folgte ein schneller Aufstieg: zunächst Lordkanzlerin und Justizministerin, später Innenministerin. Auslöser der aktuellen Spekulationen ist die erhöhte Unsicherheit an der Parteispitze. Mahmood gilt als eine der wenigen Figuren mit Ministerrang, öffentlichem Profil und klarer Fraktionsverankerung.

„Mein Glaube ist das Wichtigste in meinem Leben“

Aus ihrer Religiosität macht sie kein Geheimnis. Kürzlich erklärte sie gegenüber einem britischen muslimischen Fernsehsender: „Der Islam – meine eigene Religion. Wie viele praktizierende Muslime ist mein Glaube das Wichtigste in meinem Leben. Er ist der absolute Antrieb für alles, was ich tue. Ich spüre einen sehr starken Ruf meines eigenen Gewissens, und mein Gewissen ruft mich zu Gott.“

Die Aussage wird seither regelmäßig zitiert, wenn Mahmoods Rolle, Motivation und politische Orientierung diskutiert werden.

Im Falle eines Rücktritts von Premier Keir Starmer (r.) gilt Shabana Mahmood (l.) als aussichtsreichste Nachfolgerin.APA/AFP/POOL/CARLOS JASSO

Umstrittener Werdegang

Parallel rückt ihre Vergangenheit stärker in den Fokus. Seit Jahren wird Mahmood mit anti-israelische, pro-palästinensischen und BDS-nahen Positionen in Verbindung gebracht. BDS ist eine internationale Kampagne, die zu Boykotten, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel aufruft, um politischen Druck auszuüben. Mahmood nahm 2014 an einem Protest in Birmingham gegen Siedlungswaren in einer Sainsbury’s-Filiale teil, die zeitweise schließen musste.

2023 wandte sich Mahmood gegen das sogenannte „Anti-BDS-Gesetz“, das es öffentlichen Stellen untersagen sollte, eigene Boykott- oder Desinvestitionspolitik gegenüber ausländischen Staaten/Territorien zu betreiben. Im Zentrum der Debatte stand die Behandlung Israels. Mahmood stimmte dagegen; das Vorhaben wurde vor der Wahl 2024 nicht abgeschlossen.

In Österreich als antisemitisch verurteilt

BDS ist in Österreich ein No-Go: Am 27. Februar 2020 hat der Nationalrat eine Entschließung zur „Verurteilung von Antisemitismus und der BDS-Bewegung“ beschlossen. Dafür stimmten ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne und NEOS, es gab keine Gegenstimmen. Damit forderten die Parteien die Bundesregierung auf, diesen Tendenzen entschlossen entgegenzutreten.

Gaza-Krieg: Gemischte Signale

Nach dem 7. Oktober 2023 verurteilte Mahmood den Hamas-Angriff, forderte die Freilassung der Geiseln und bezeichnete Hamas als Terrororganisation. Zugleich sprach sie sich für einen sofortigen Waffenstillstand aus und kritisierte Israels Vorgehen im Gazakrieg als „intolerabel“ und „unverhältnismäßig“.

Asylsystem: harter Umbau angekündigt

Wegen anhaltender Spannungen durch die fortschreitende illegale Migration zog Shabana Mahmood beim Asyl allerdings die Reißleine – und erntete dafür teils auch Lob von rechter Seite. Als Innenministerin kündigte sie im November 2025 einen tiefgreifenden Umbau des britischen Asylsystems an. Schutz soll künftig nicht mehr in der Regel fünf Jahre gelten, sondern nur noch 2,5 Jahre, verbunden mit regelmäßigen Überprüfungen. Ein dauerhafter Aufenthalt wäre erst nach 20 Jahren möglich. Besonders einschneidend ist der geplante Kurswechsel beim Familiennachzug: Ein automatischer Nachzug soll entfallen, Ausnahmen bleiben selten. Wer Angehörige nachholen will, müsste zuvor in einen Arbeits- oder Studienaufenthalt wechseln und zusätzliche Voraussetzungen erfüllen.

Parallel setzt die Regierung auf finanzielle Steuerung. Asylwerber mit Einkommen oder Vermögen sollen sich stärker an Unterkunft und Versorgung beteiligen. Leistungen könnten gekürzt oder gestrichen werden, wenn Regeln verletzt werden oder eine zumutbare Arbeit nicht aufgenommen wird. Zudem sollen die teuren Asyl-Hotels abgeschafft und durch größere Sammelunterkünfte ersetzt werden, um die Kosten zu senken.

Im Vergleich wirkt Österreich bei der Bleibeperspektive weiterhin deutlich großzügiger, der Familiennachzug wird momentan ebenfalls restriktiv gehandhabt, allerdings nur befristet bis Ende September 2026.