Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán geht scharf mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Brüssel ins Gericht. „Von der Leyen hat nachts einen Fahrplan für die Ukraine enthüllt“, sagt Orbán nach dem EU-Gipfel in Brüssel. Darin akzeptiert die EU-Führung laut Orbán jede Forderung Kiews: 800 Milliarden Dollar (ca. 680 Milliarden Euro) bis 2035, ein beschleunigter EU-Beitritt bis 2027 und massive Unterstützung bis 2040.

Milliarden-Chaos aus dem EU-Budget

Das vertrauliche Dokument dürfe er nicht zeigen, unterstrich Orbán, verriet jedoch, dass es auch Pläne zur Finanzierung enthalte – nach seiner Darstellung mit einer großen Verschuldung der EU, denn die Hilfe käme aus dem EU-Budget und nicht aus einem separaten Kredit. Weitere 700 Milliarden Dollar (ca. 596 Milliarden Euro) für militärische Ausgaben seien vorgesehen. „Ein Schock!“, kommentiert Orbán. „Ich dachte, Kiews Forderungen wären eine Eröffnungsposition, die später abgeschwächt wird – stattdessen hat Brüssel sie wortwörtlich akzeptiert.“ Künftige Generationen müssten diese Schuldenlast tragen, warnt Orbán.

Petition gegen Brüssels Einknicken

„Wir werden darüber sprechen – und eine nationale Petition starten“, kündigte Orbán auf X an. „Brüssel bekommt unsere klare Botschaft: Wir zahlen nicht!“ Andere Länder könnten der Ukraine freiwillig helfen, doch eine kollektive EU-Finanzierung würde die Union selbst zerstören.

Orbán blockiert den EU-Beitritt der Ukraine: „Kein ungarisches Parlament wird in den nächsten 100 Jahren dafür stimmen.“ Er kritisierte auch die Einmischung Kiews in die ungarischen Parlamentswahlen. Die Tisza und DK, die Hauptoppositionsparteien in Ungarn, wollten die Ukraine aufnehmen, weshalb die Ukrainer auch aktive Teilnehmer an der ungarischen Wahlkampagne seien. „Es ist in ihrem grundlegenden Interesse, dass es in Ungarn einen Regierungswechsel gibt“, so Orbán.

Selenskyjs Davos-Ausfall und Orbáns Reaktion

Orbán verknüpft Brüssels Nachgiebigkeit mit Selenskyjs Rede in Davos. In ihr habe der ukrainische Präsident „eine Grenze überschritten“, denn: „Er kritisierte nicht nur die ungarische Regierung, sondern auch alle anderen EU-Staats- und Regierungschefs. Die Unterstützung sei unzureichend, die Waffen unzureichend, und die Entschlossenheit Europas fehle.“ Orbán fügte hinzu: „Wir mussten nicht lange auf die Antwort aus Brüssel warten.“ Er bezieht sich dabei offenbar auf einen vermeintlichen Deal Ursula von der Leyens mit Kiew: „Selenskyj hat alles falsch verstanden, während die Brüsseler eifrig bereit sind zu zahlen.“

Die EU-Führung nicke ab, was Selenskyj fordere. So lautet der Vorwurf des ungarischen Ministerpräsidenten.APA/Anatolii STEPANOV

Orbán über den Friedensrat als Alternative zum EU-Chaos

Der Friedensrat bietet aus seiner Sicht eine größere Chance, die Konflikte in Gaza und der Ukraine zu beenden, als die bisherigen multilateralen Strukturen, erklärte Orbán. Ungarn und Bulgarien sind die einzigen EU-Mitgliedstaaten, die diese Initiative unterstützen.

Der Friedensrat wird von den Vereinigten Staaten geführt und umfasst Länder aus wichtigen Krisenregionen wie Saudi-Arabien, Türkei und Aserbaidschan. „Der Friedensrat bietet eine größere Chance, die Konflikte in Gaza und der Ukraine zu beenden, als die bisherigen multilateralen Strukturen“, erklärte Orbán und kündigte an, dass Ungarn mit internationalen Partnern an einem Friedensgipfel in Budapest arbeite.

Schon lange nicht mehr beste Freunde: Orban und Selenskyj.APA/AFP/POOL/Olivier HOSLET

Orbán greift Selenskyj auf X hart an

Am Tag zuvor ging Orbán auf X erneut auf Selenskyj los: „Lieber Präsident Selenskyj, Es scheint mir, dass wir zu keinem Verständnis kommen werden. Ich bin ein freier Mann, der dem ungarischen Volk dient. Sie sind ein Mann in einer verzweifelten Lage, der es seit nunmehr vier Jahren nicht geschafft hat, den Krieg zu beenden – trotz der Tatsache, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ihm jede mögliche Unterstützung gewährt hat.“

Er machte klar: „Wir können Ihre Kriegsanstrengungen nicht unterstützen. Das ukrainische Volk kann natürlich – trotz Ihrer sorgfältig gewählten Beleidigungen – weiterhin auf uns zählen, dass wir Ihrem Land weiterhin Strom und Brennstoffe liefern werden und wir auch weiterhin die Flüchtlinge aus der Ukraine unterstützen.“ Der ganz besonders scharfe Schluss: „Das Leben regelt den Rest. Jeder bekommt, was er verdient. Viktor“ – ein Satz, der international als höchst provokant aufgenommen werden dürfte.

Selenskyj in Davos: Kritik an Europas ungenügender Hilfe

In seiner Rede beim World Economic Forum in Davos 2026 kritisierte Wolodymyr Selenskyj die europäische Unterstützung für die Ukraine im Kampf gegen Russland. Er forderte schnellere, entschlossenere Schritte zur Unterstützung der Ukraine. Es brauche mehr Waffenlieferung und eine intensivere europäische Beteiligung, um den Konflikt zu beenden und den russischen Aggressionen entgegenzutreten.

Darüber hinaus drängte er auf stärkere Sicherheitsgarantien und eine schnellere Integration der Ukraine in die EU, um die geopolitische Stabilität in der Region zu sichern.