Was passiert, wenn die Falschen gewinnen? In der Talkshow Maybrit Illner begründete Manfred Weber seinen Vorstoß für eine EU-Armee offen mit dem Aufstieg rechter Parteien.

Bei einem Besuch im griechischen Parlament sei er gefragt worden: Was passiert, wenn Deutschland die größte Landarmee Europas aufbaut – während die Alternative für Deutschland bei 25 bis 30 Prozent steht? Aktuell liegt die AfD bei 24 bis 27 Prozent – nahezu gleichauf mit der Union.

Militärmacht „unumkehrbar“ machen

Weber zieht den historischen Vergleich zu Helmut Kohl und François Mitterrand. So wie sie den Euro irreversibel gemacht hätten, müsse nun auch die Verteidigung „unumkehrbar“ organisiert werden. Es braucht ihm zufolge offenbar ein Europa, das selbst politische Machtwechsel nicht mehr auseinanderreißen können.

Bardella in Paris? Kaczyński in Warschau?

Weber nennt konkrete Szenarien: Was, wenn Jordan Bardella, Chef des Rassemblement National, Präsident in Frankreich wird? Was, wenn Jarosław Kaczyński von der PiS in Polen zurückkehrt? Europa müsse sich „jetzt“ darauf vorbereiten.

Empörung von rechts

Aus dem Umfeld der AfD kommt scharfer Widerspruch. Der Berliner Politiker Julian Adrat wirft Weber vor, Deutschland „entnationalisieren“ und in einem europäischen Superstaat auflösen zu wollen.

„Jetzt müssen wir Europäer werden“

Bereits am 3. Juni 2025 erklärte Weber in einem Gastbeitrag für die Welt: Artikel 42.7 des Lissabon-Vertrags – die sogenannte Beistandsklausel der Europäischen Union – solle endlich mit Leben erfüllt werden – schärfer als der NATO-Beistand. Die „alte NATO“ komme nicht zurück. Nationale Lösungen seien gescheitert.

Die Beistandsklausel wurde mit dem Vertrag von Lissabon 2009 in Kraft gesetzt. Wenn ein EU-Mitgliedstaat „Opfer eines bewaffneten Angriffs auf sein Hoheitsgebiet“ wird, sind demnach die anderen Mitgliedstaaten verpflichtet, ihm „alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung“ zu leisten.

Webers Ziel: eine europäische Armee mit gemeinsamen Kommandostrukturen, gemeinsamer Beschaffung – und Soldaten unter EU-Flagge. „Jetzt müssen wir Europäer werden“, schreibt er. Nicht nur Kooperation also. Sondern ein historischer Schritt: Militärische Souveränität weg von den Nationalstaaten – hin zu Brüssel.