EU-Klimaziel 2030 verfehlt: Österreich drohen Milliarden – und es wird teurer
Österreich verfehlt das EU-Klimaziel für 2030 klar. Eine Studie im Auftrag des Finanzministeriums warnt: Milliardenkosten drohen – selbst bei zusätzlichen Maßnahmen. Emissionszertifikate könnten knapp werden, die Preise explodieren. Die Rechnung zahlen am Ende Steuerzahler und Budget.
Finanzminister Marterbauer (SPÖ) beauftragte das Bundesumweltamt mit einer Studie, die eine Millionenstrafe für Österreich aufgrund verfehlter Klimaziele prognostiziert.APA/HELMUT FOHRINGER/Bundesumweltamt/Studie/Screenshot
Österreich verfehlt sein Klimaziel für 2030 – offiziell, berechnet und schwarz auf weiß. Eine Studie des Umweltbundesamtes im Auftrag des Finanzministeriums kommt zu einem eindeutigen Befund: Mit dem aktuellen politischen Kurs wird das EU-Klimaziel klar gerissen, selbst wenn zusätzliche Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm umgesetzt werden.
Die Zahlen sind eindeutig
Das Ziel ist klar definiert: Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 48 Prozent gegenüber 2005 sinken. Tatsächlich liegt Österreich laut Studie im Jahr 2030 um 9,1 Millionen Tonnen CO₂ über dem erlaubten Wert. Über den gesamten Zeitraum von 2021 bis 2030 ergibt sich eine kumulierte Lücke von rund 20 Millionen Tonnen CO₂.
Mehr Maßnahmen – kaum Wirkung
Besonders brisant: Auch zusätzliche Klimapolitik reicht nicht aus.
Selbst im sogenannten „Aktivitätsszenario“, das weitere Maßnahmen der Bundesregierung berücksichtigt, schrumpft die Lücke nur minimal. Lediglich 2,2 Millionen Tonnen CO₂ werden zusätzlich eingespart – der Großteil der Zielverfehlung bleibt bestehen.
Auch die EU-Notlösung reicht nicht
Damit scheidet auch die Hoffnung auf eine einfache Rettung über Brüssel aus. Selbst mit maximal erlaubter EU-Flexibilität, Emissionshandel und sogenannten „Banking“-Regeln kann Österreich das Klimaziel nicht erreichen. Die Studie hält unmissverständlich fest: Auch unter Ausnutzung aller europäischen Ausnahmeregeln wird das Ziel 2030 verfehlt.
Milliardenrisiko für den Staatshaushalt
Die Konsequenzen sind finanziell heikel. Verfehlte Einsparungen müssen durch den Zukauf von Emissionszertifikaten aus anderen EU-Staaten ausgeglichen werden. Laut Berechnungen der Kommunalkredit Public Consulting könnten dadurch Kosten von bis zu 5,9 Milliarden Euro entstehen. Je nach Marktentwicklung reicht die Spanne von mehreren hundert Millionen Euro bis zur massiven Milliardenbelastung – eine enorme Unsicherheit für den Staatshaushalt.
Problem: Zertifikate könnten knapp werden
Doch selbst Geld würde das Problem nicht automatisch lösen. Denn Ausgleichszertifikate könnten am Markt knapp werden. In pessimistischen Szenarien erreichen nur wenige EU-Staaten ihre Klimaziele, entsprechend gering wäre das Angebot. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage stark steigen – mit der Folge, dass Preise explodieren oder Zertifikate schlicht nicht in ausreichender Menge verfügbar sind.
Je später, desto teurer
Zusätzlich warnt der Bericht vor einer gefährlichen Timing-Falle: Je später Österreich reagiert, desto teurer wird der notwendige Zukauf. Verzögerungen erhöhen nicht nur die Kosten pro Tonne CO₂, sondern auch die budgetären Risiken – in einer ohnehin angespannten Finanzlage.
Der Verkehr bleibt das größte Problem
Als größter Problemsektor gilt weiterhin der Verkehr, der auch 2030 mit Abstand die höchsten Emissionen verursacht. Genau hier klafft die größte Lücke zwischen politischen Ankündigungen und realer Wirkung.
Der Befund ist eindeutig: Österreich steuert auf eine massive Milliardenrechnung zu.
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