EU-Klimazoll CBAM: Bürokratie-Monster bedroht Europas Industrie
Ökonomen, Industrie und selbst Brüssel schlagen Alarm: Seit 1. Jänner 2026 steigen für Stahl, Zement, Aluminium, Dünger, Strom und Wasserstoff die Nachweis- und Kostenpflichten – wegen des EU-Klimazolls CBAM. Ökonom Felbermayr warnt vor Bürokratiekosten, Unternehmen fürchten Abwanderung und Export-Nachteile.
CBAM ist Teil von Ursula von der Leyens EU-Green-Deal – ab 2026 wird der Klimazoll verbindlich.APA/AFP/Nicolas TUCAT
Ab 1. Jänner 2026 macht die EU beim Klimazoll CBAM ernst: Wer Stahl, Zement, Aluminium, Dünger, Strom oder Wasserstoff importiert, muss künftig für jede Lieferung nachweisen, wie viel CO₂ bei der Herstellung entstanden ist – und darauf basiert dann der Preisaufschlag. Offiziell soll das Europas Industrie vor „Klimadumping“ schützen – also vor Billigkonkurrenz aus Ländern mit laxeren oder ohne Klimaregeln.
Für Unternehmen heißt das: Aus der bisherigen Meldephase wird ein verbindliches System. Zwar werden die CBAM-Zertifikate voraussichtlich erst ab 2027 verkauft (rückwirkend für 2026) – doch die Auswirkungen beginnen schon 2026: Dokumentation, Prüfpflichten, Haftungsrisiken und ein CO₂-Kostenfaktor, der in Lieferverträgen und Preisen eingepreist werden muss.
Und schon jetzt zeigt sich: CBAM droht zum Bürokratie-Monster zu werden.
Österreichischer Top-Ökonom schlägt Alarm
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hält das Ziel für richtig – die Umsetzung jedoch für brandgefährlich, wie er gegenüber der Welt unterstreicht. Die exakte Ermittlung der CO₂-Emissionen in globalen Lieferketten sei kaum praktikabel. Die Folge: „erhebliche bürokratische Kosten“.
Für Unternehmen bedeutet das: endlose Nachweise, komplexe Berechnungen, hohe Haftungsrisiken. Wer Vorprodukte wie Stahl oder Zement importiert, gerät unter Druck. Kosten steigen, Investitionen wackeln, Abwanderung droht.
Industrie in Alarmstimmung
Auch aus der Wirtschaft kommt scharfe Kritik. Rainer Kirchdörfer von der Stiftung Familienunternehmen spricht von einem unausgereiften System. Viele Verarbeiter seien „in höchster Sorge“ – und das mitten in einer wirtschaftlich schwachen Phase.
Die Warnung ist eindeutig: CBAM ist Industriepolitik – mit enormem Risiko für den Standort Europa.
Brüssel räumt Probleme ein
Selbst in der EU wächst der Zweifel. CBAM wird mittlerweile als „zu klobig“ und überbürokratisiert beschrieben. Auch der EU-weite Wirtschaftsdachverband BusinessEurope warnt, das System sei in wichtigen Punkten noch nicht ausgereift – entscheidend sei vor allem eine WTO-taugliche Lösung für die Exportfrage. Sonst drohe CBAM zum Standortnachteil zu werden, statt Europas Industrie zu schützen.
Erste Korrekturen folgen: Eine 50-Tonnen-Grenze soll kleine Importeure entlasten. Rund 182.000 Unternehmen würden aus dem System fallen – die Hauptlast bleibt bei den Großen. Doch das Grundproblem bleibt ungelöst.
Export: die größte Schwachstelle
Während Importe teurer werden, geraten EU-Exporteure ins Hintertreffen. Sie zahlen CO₂-Kosten – ihre Konkurrenten am Weltmarkt nicht. Felbermayr fordert daher Export-Entlastungen, pauschale Abgaben oder weiterhin kostenlose Zertifikate für energieintensive Branchen.
Brüssel prüft solche Modelle – doch sie sind handelspolitisch hochriskant und könnten neue Konflikte auslösen.
Auch international wächst der Widerstand
Große Handelspartner wie China, Indien oder Brasilien sehen im Klimazoll ein verstecktes Handelshemmnis. Der Vorwurf: Europa zwingt seine Klimapolitik dem Rest der Welt auf. WTO-Streitigkeiten drohen.
CBAM soll Europas Industrie schützen. Doch ohne radikale Vereinfachung und eine saubere Exportlösung droht das Gegenteil: mehr Bürokratie, weniger Wettbewerbsfähigkeit, Abwanderung von Produktion.
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