Während Europa über Eskalation und mögliche Militärschläge im Nahen Osten diskutiert, zeigt ein TV-Test eine peinliche Realität: Mehrere EU-Abgeordnete – und sogar ein französischer Minister – sind nicht in der Lage, den Iran auf einer Karte des Nahen Ostens zu finden.

Die Aufnahmen entstanden Anfang März in den Gängen des Europaparlaments in Straßburg und wurden in der Sendung Quotidien ausgestrahlt. Nun gehen sie in den sozialen Netzwerken viral.

Besonders brisant: Die Szene fällt in eine Phase intensiver geopolitischer Spannungen rund um den Iran. Der Reporter stellte den Politikern dabei eine denkbar einfache Frage: „Wo liegt der Iran?“ Das Ergebnis: 15 von rund 50 Befragten lagen falsch.

Minister rettet sich an die Straße von Hormus

Besonders peinlich verlief der Test für Benjamin Haddad, Frankreichs Europaminister. Zunächst versuchte er, die Situation herunterzuspielen: „Bei Karten bin ich schlecht – ich spüre die Falle.“

Doch dann wurde es ernst: Statt den Iran klar zu zeigen, verwies er auf die Straße von Hormus – einen strategisch wichtigen Engpass der Region. Den Iran selbst konnte er jedoch nicht eindeutig verorten. Ein Regierungsmitglied, zuständig für Europa – und überfordert mit einer grundlegenden geografischen Frage.

Bulgarien? Türkei? Afghanistan?

Haddad war nicht allein. Auch mehrere französische EU-Abgeordnete patzten deutlich, zwei dabei von den Grünen.

Emma Rafowicz (PS/Parti socialiste), zeigte auf Bulgarien. Fabienne Keller aus dem Macron-Lager (Renaissance) hielt zunächst die Türkei für den Iran. Marie Toussaint von den Grünen landete nach langem Zögern bei Afghanistan. David Cormand – ebenfalls ein Grüner – tippte auf Saudi-Arabien.

Cormand verteidigte die Aussetzer später mit den Worten, man sei „keine wandelnde Enzyklopädie“. Eine Aussage, die ebenfalls für Gesprächsstoff sorgte.

Politik ohne Grundwissen?

Der Kontext macht die Szene besonders brisant: Die Befragten diskutierten gleichzeitig über eine mögliche Eskalation rund um den Iran.

Mit anderen Worten: Politiker debattieren über Krieg – ohne zu wissen, wo das betroffene Land liegt. Das wirft grundsätzliche Fragen auf – über Kompetenz, Vorbereitung und die Qualität politischer Entscheidungen.

Viraler Clip übertreibt – peinlich bleibt es trotzdem

Ein Detail ist wichtig: Manche viralen Clips erwecken den Eindruck, kein einziger Politiker habe die Frage korrekt beantwortet. Das stimmt so nicht.

Tatsächlich zeigt die vollständige Sequenz auch mehrere richtige Antworten. Die Kurzvideos im Netz schneiden diese oft heraus und konzentrieren sich ausschließlich auf die peinlichsten Momente.

Nicht alle versagten

Den Test bestanden unter anderem: Jordan Bardella, Parteichef des Rassemblement National (RN) und Europaabgeordneter, wusste die Antwort sofort. Dasselbe galt für die Europaabgeordneten Raphaël Glucksmann von der französischen Mitte-links-Partei Place publique, Nathalie Loiseau aus dem bürgerlich-liberalen Regierungslager (Horizons, Partei aus), sowie die frühere Europaministerin Frankreichs Manon Aubry von der linksradikalen Partei La France insoumise.