Faika El-Nagashi kritisiert einen ORF-Beitrag scharf. Der Vorwurf: Der Sender übernehme unkritisch die „aktivistische Marketing-PR” einer Innsbrucker Trans-Klinik. Und verbreite Desinformation gegenüber Eltern und Jugendlichen.
Während in Ländern wie Großbritannien, Schweden oder Finnland Pubertätsblocker für Jugendliche mittlerweile nur mehr in absoluten Ausnahmefällen erlaubt sind, hinkt Österreich hinterher – und der ORF verbreitet den Mythos von „lebensrettenden Maßnahmen“ sowie „umkehrbare Pubertätsblocker“. Das kritisiert die Ex-Grünen-Nationalratsabgeordnete Faika El-Nagashi.
Klinik betreibe „aktivistische Marketing-PR“
Der Aufhänger ist ein ORF-Tirol-Beitrag über die Trans-Klinik in Innsbruck vergangenen Donnerstag (der
Transgender Ansturm Ein Drittel Der Patienten Unter 18
berichtete). Katharina Feil, die Leiterin des Centers, berichtet dort, dass die Klinik enormen Andrang habe. Ein Drittel der etwa 900 Patienten sei unter 18 Jahren alt. Die Nachfrage nach Trans-Behandlungen, etwa Hormonblockern, also Medikamenten, die den Eintritt der Pubertät verhindern, sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen, mit erheblichen Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten. Feil sagt: „Das zeigt ganz deutlich das Versorgungsproblem, das wir in Österreich haben.“ Für den wachsenden Andrang sieht die Leiterin der Klinik soziale Medien als wesentlichen Treiber. Die zunehmende Sichtbarkeit im Netz ermutige Menschen, sich mit ihrer eigenen Identität auseinanderzusetzen – und offen darüber nachzudenken.
ORF übernimmt „unkritisch“
Faika El-Nagashi, die den trans-kritischen Verein „Athena Forum“ leitet, kritisiert den ORF-Beitrag auf ihrem „X“-Account scharf und bezeichnet die Berichterstattung als „Skandal“. Sie wirft dem Trans-Center vor, „aktivistische Marketing-PR“ zu betreiben, die „von den Medien – bis hin zum ORF! – weitgehen unkritisch übernommen“ werde.
Unter anderem kritisiert sie, dass in dem Bericht Pubertätsblocker verharmlost werden. Pubertät könne nicht einfach auf Pause gestellt werden, klärt El-Nagashi auf. In dem ORF-Beitrag werde nämlich von „Hormonblockaden, die rückgängig gemacht werden können“ gesprochen. Das sei „Desinformation gegenüber Eltern und betroffenen Kindern“.
Kein Wort über ungesunden Einfluss von Instagram, TikTok und Co.
Ein weiterer Kritikpunkt El-Nagashis: Die Klinik erklärt den Anstieg der Nachfrage mit Social Media – analysiert den Einfluss aber nicht kritisch, sondern deutet ihn positiv: Die Plattformen würden Menschen lediglich früher zur Selbsterkenntnis verhelfen. Man müsse, so die Ex-Grüne, auch „Beeinflussbarkeit und Idealisierung durch soziale Medien“ analysieren.
In dem TV-Beitrag werde zudem kein Wort darüber verloren, dass es vor allem Mädchen und Jugendliche sind, die ihr Geschlecht ändern wollen – eine Tatsache, die medizinisch zwingend berücksichtigt werden müsste. Gerade diese vulnerable Gruppe leide häufig unter Begleiterkrankungen wie Depressionen, Essstörungen oder Autismus und werde durch soziale Medien in dem Glauben bestärkt, eine Transition würde ihre Probleme lösen.
Kritik an „gender-affirmierender Therapie“
El-Nagashi kritisiert in dem „X“-Beitrag auch, dass SPÖ und Grüne fordern, dass nur eine sogenannte „gender-affirmierender Therapie“ für Jugendliche, die denken, im falschen Körper geboren zu sein, zulässig sein sollte. „Tatsächlich ist es schon heute schwierig genug, einen Therapieplatz in einer Praxis zu finden, die bei diesem Thema nicht ideologisch geleitet arbeitet und ‘trans Kinder‘ oder ‘trans Jugendliche‘ nicht affirmiert.“, schreibt sie.

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